KURZGESCHICHTEN, KRITZELEIEN & KARTOONS

Texte

  • Der einzig wahre
  • Mein neuer Roman
  • Die Ruhe selbst
  • Zwei Kästen Bier
  • Ämta
  • Anagramme lügen nicht

Der einzig wahre Deutschland-Fan bin ich.
Während alle anderen nach und nach ihre Beflaggung von Balkon, Fahrrad und Auto entfernt haben und sich ihre Schwarz-rot-goldenen Gesichtstattoos haben weglasern lassen, trage ich all das am Körper, was ein wahrer Deutschland-Fan braucht. Ich habe die Deutsche Fahne auf T-Shirt, Socken, Unterhose und Badelatschen. Auf dem Kopf trage ich einen Schwarz-rot-goldenen Sonnenhut und auch die Gläser meiner Sonnenbrille sind mit der deutschen Fahne verziert. Das schützt nicht wirklich vor der Sonne, sieht aber todschick aus. Ich dusche mit Deutschland Duschbad (made in China), putze mir mit einer Schwarz-rot-goldenen Zahnbürste die Zähne, selbst meine Zahnpaste hat drei Streifen. Ohrenstäbchen, Nagelfeile, Feuerzeug, Kondome. Ich habe alles mit Fahne oder einem schönen Deutschland-Schriftzug. Deutschlandiger als ich kann man kaum unterwegs sein.
Das liegt zum einen daran, dass ich ohne meine Reisetasche in den Urlaub gefahren bin, keine Ahnung wie das passieren konnte, also Königspudel, Kind oder Auto vergessen, das ist wohl jedem schon mal passiert, aber Reisetasche, ich meine die ist doch groß, das muss man doch merken wenn die fehlt. Jedenfalls war meine Tasche nicht im Auto, als ich auf dem Campingplatz Namens Crazy Camping auf dem Darß ankam.
Der zweite Grund dafür, dass ich der deutschlandigste Dude vom Darß bis an die Donau bin ist, dass der ganze Merchandise-Schund nach dem Ausscheiden der Deutschen Nationalmannschaft bis zu 100% runtergesetzt war. Häufig haben mir die Einzelhändler sogar Geld geboten, wenn ich Ihnen die Schwarz-rot-goldenen Schlüpper oder Friesennerze abnehme, weil die Grabbeltische in Kürze ja schon mit den Weihnachtsartikeln bestückt werden müssen.
Meine Urlaubskasse ist beträchtlich aufgebessert und die Händler auf dem Darß haben wieder Platz in ihren Auslagen. Win-Win-Winfried würde ich mal sagen.
Und außerdem Schwarz, Rot und Gold, das sind doch schöne Farben!
Die anderen Urlauber hier auf dem Crazy Campingplatz in Wustrow scheinen das aber nicht so zu sehen. An das ständige ausgelacht werden habe ich mich schnell gewöhnt, auch das Geflüstere von wegen Türkenfreund und Schande für unser Vaterland kann ich ertragen, aber die tägliche Prügel, die ich von den belgischen Hooligans beziehe, setzt mir schon mächtig zu. Klar mit etwas Fantasie, mit einem gelben und einem dunkelblau angeschwollenen Auge und einer blutigen Nase, habe ich passend zu meinen Klamotten auch noch die Deutschlandfarben im Gesicht, aber dis tut ja auch weh.
Nach ein paar Tagen habe ich aber ein Rezept gegen die Attacken der Belgier gefunden. Immer wenn ich sie auf dem Campingplatz entdecke, werfe ich mich auf den Boden, so dass Schwarz, Rot und Gold auf meiner Kleidung nun nicht mehr horizontal sondern vertikal verlaufen. Das die Farben auf der Belgischen Fahne anders angeordnet sind, als auf der Deutschen scheint den Hools nicht aufzufallen, da sie schon morgens hackedicht sind und sie laden mich nun regelmäßig zu Bier und Belgischer Käseplatte ein.
Ich muss natürlich alles im Liegen zu mir nehmen, da sonst meine Tarnung auffliegen würde und bekomme von den Belgiern schon bald den Spitznamen „De liechende Mann“ verpasst.
Die Deutschen Camper machen noch immer ihre Witze und abfälligen Bemerkungen, aber was soll’s ich stehe noch immer voll und ganz hinter der Deutschen Nationalmannschaft, ganz anders als diese Schönwetter-Fans, die für ihre Fähnchen und T-Shirts den vollen Preis gezahlt haben.
Warum sollte ich auch nicht hinter der Deutschen Mannschaft stehen? Allein der Slogan zur WM hat mich schon voll in Stimmung gebracht. ZSMMN für zusammen. Außerdem zur Auswahl standen noch GMNSM für gemeinsam und NRFRLLNDLLFRNN, also Einer für Alle und Alle für einen.
Da hat sich der DFB wahrscheinlich von Stickern und T-Shirts mit FCK AFD oder FCK NZS Aufdrucken inspirieren lassen. Diese Vokalauslassungen kommen einfach immer gut!
Bewusst habe ich so etwas zum ersten Mal bei der Band Modeselektor, die sich MDSLKTR schrieb gesehen, aber die älteste überlieferte Verwendung dieses Stilmittels ist bei den Jüngern Jesu zu finden, die damals schon Siebdruck-Shirts mit den Buchstaben RLSR, für Erlöser, trugen.
Apropos Jesus. Ich warte schon ganz ungeduldig auf die Islamisierung Deutschlands, also dass das Christentum im deutschen Religionsranking so richtig absackt und dass das ganze Christen-Merchandise dann verscherbelt wird.
Weil vor den Wohnwagen auf dem Crazy Campingplatz in Wustrow, da will ich eine Pergola bauen und da kämen mir preisreduzierte Holzkreuze gerade recht.

 


Ich bin sauer und zwar so richtig sauer. So verdammt viel Arbeit für die Katz.
Es kotzt mich einfach nur an!
Mein neuer Roman ist draußen und er wurde von den Kritikern bisher überhaupt nicht zur Kenntnis, also keiner hat mir mal – dabei habe ich doch tagelang daran, also mein Grafiker hat tagelang, also einen Tag, aber ich habe immerhin mal drübergelesen, habe ich jedenfalls vor meinem Grafiker behauptet, jedenfalls, dass da jetzt so gar keine Reaktion kommt, das finde ich schon irgendwie.
Mein neuer Roman heißt DSDS, nee DSGVO, oder war’s DGSVO, also dieses neue Datenschutzdings und ich biete ihn kostenlos an. Und zwar im Footer, Footer das ist Ghettoslang für unten auf einer Internetseite, also unten auf meiner Internetseite, da kann man sich den Roman für lau durchlesen.
Macht aber keiner, wie mir scheint.
Dabei habe ich doch, also mein Grafiker, Textauszüge von verschiedenen Webseiten und Blogs über diese Datenschutzscheiße zusammenkopiert und dann bei mir eingefügt.
Weil man muss sich ja absichern, hieß es.
Wegen der Abmahnanwälte, die sich schon geil wie sonstwas, gegenseitig goldene Kugelschreiber mit individualisierter Gravur in die Startlöcher stecken.
Viele kleine Webseitenbetreiber und Blogger haben ja aufgegeben und ihre Domains gelöscht, manche noch bevor dieses DSDS ins Finale ging.
Paul Bokowski zum Beispiel hat sein Back-Blog mit Hilfe einer entmannten Drohne gesprengt und vorher sicherheitshalber, also damit das auch wirklich alles aus dem Internet raus ist, hat er alle Cookies, die er jemals auf seinem Back-Blog präsentiert hat, ausgedruckt und aufgegessen.
So ging es ja vielen und auch mir hätte es, aber ich, also mein Grafiker, der hat ja, also eigentlich der Vater von meinem Grafiker, weil der kennt sich aus mit Internet, also hier Copy und Paste – und nun warte ich seit Tagen auf Kommentare von wegen: „Voll spannend deine Datenschutzerklärung, viel besser als die Texte, die du sonst so schreibst“ oder eben doch eine Abmahnung: „Sehr geehrter Herr Neid, wie wir feststellen mussten, haben Sie in ihrer Datenschutzerklärung auf Seite 389 einen Zeichensetzungsfehler. Somit haften Sie ab sofort und auch rückwirkend für alle Vergehen von Google, Amazon, Zalando, dem Denver Clan und Aldi Süd.“
Aber nee, es kommt einfach gar nichts.
Das ist wie eine Fahrkarte kaufen und nicht kontrolliert werden.
Das ist wie eine Erektion haben und dann nicht –
Das ist wie dann doch, aber keine Erektion bekommen –
Das ist wie ein Leben lang zu Gott beten und dann nicht ins Paradies –
Obwohl, das kann ja niemand nachprüfen, also nachprüfen schon, ob es so etwas wie das Paradies – aber hier bei uns unten Bescheid sagen, wenn es so etwas wie das Paradies gibt – kann ja keiner. Wegen der DSGVO.
Steht da ja ganz eindeutig in Paragraph 3524: Gesetzt dem Falle, dass das Paradies als solches, auch wenn wir als demokratische Gesetzgeber und zivilisierte Mittel,- Süd,- Nord,- Ost,- und Westeuropäer uns den christlichen Grundwerten, Rechten, Pflichten und Tugenden im Sinne des Alten, Neuen und auch des Testaments 4.0 verpflichtet sehen, ist die Kontaktaufnahme zwischen Paradies und Erde aufgrund instabiler SSL-Verschlüsselung strengstens verboten und wird mit Tod durch die Datenkrake sowie einer Geldstrafe in Höhe von Körpergröße minus Gewicht des eigenen Computers, Tablets oder Smartphones in Bitcoin bestraft.
So sieht es nämlich aus in den Schädeln von diesen Vollidioten in Brüssel.
Wenn die wirklich glauben, dass ihr Gesetz irgendeinen großen Konzern aus Übersee daran hindert Daten zu sammeln dann sind sie dämlich und wenn sie nicht daran glauben sind sie verlogen. Der bisher größte Erfolg dieses Gesetzes ist ja wohl, dass irgendwelche Unternehmen die Konkurrenz wegen fehlerhafter Umsetzung der neuen Datenschutzbestimmungen kostenpflichtig abmahnen, wobei ich nicht verschweigen möchte, dass ich nicht ganz unschuldig daran bin, dass Paul Bokowski sein Back-Blog, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Stehe in der Küche und bereite das Abendessen vor.
Meine kleine Tochter sitzt in ihrem Hochstuhl und sieht zu.
Wir unterhalten uns ein bisschen.
„Mama“ sagt sie.
„Mama is noch arbeiten“ sage ich.
„Mama aeiten.“
„Genau“ sage ich. „Die kommt heute spät nach Hause.“
Sie schweigt eine Weile, dann sagt sie: „Pullerpan“.
„Pullerpan?“ wiederhole ich und sehe sie fragend an.
„Pullerpan“ bestätigt sie.
Ich lächle sie an und frage mich, ob Puller Pan vielleicht der weniger bekannte Bruder von Peter Pan ist.
Doch dann macht es Klick. Pullerpan, das kann ja eigentlich nur eines bedeuten.
Zum Glück bin ich kein Mensch, der leicht in Panik gerät.
Meine Hand verkrampft sich um das Wiegemesser. Die Klinge dringt tief ins Fleisch ein.
Blut tropft auf die gehackten Kräuter. Ein wahrlich schöner Komplementär-Kontrast.
„Hat einer von den Jungen in der Kita dir seinen Pullermann gezeigt?
Lukas oder Martin oder Thomas?“
Meine Tochter schüttelt den Kopf.
Schweiß tropft von meiner Stirn auf die Wunde an meiner Hand.
„Hat der Hausmeister dir etwa seinen Pullermann gezeigt? Oder der Koch?“
„Pullerpan, poppeln.“
Pullermann und jetzt auch noch poppen.
„War da ein Mann am Zaun vom Kindergarten? Hat der komische Sachen gemacht mit seinem…?“
Der Schweiß brennt in der offenen Schnittwunde. Ich versuche einen kühlen Kopf zu bewahren.
Rufe in der Kita an, um meine Tochter abzumelden.
Es nimmt niemand ab. Beim Jugendamt geht auch keiner ran.
Dann eben die Polizei. Ich schildere dem diensthabenden Beamten die Tatsachen, soweit ich sie kenne: „Jemand, also ich weiß nicht wer und ich weiß nicht mit wem oder was, aber ziemlich sicher ein Mann, jedenfalls, der will mit Hilfe von seinem Pullerpan poppeln. Und das vor den Augen von Kindern.
Meine Tochter ist Zeugin des Vorfalles.“
Der Beamte fragt, ob ich das Ganze noch einmal wiederholen könne.
Sicher, sage ich. Und erkläre ihm gleich noch die Bedeutung von Pullerpan und poppeln.
„Am Besten wäre es, wenn sie gleich jemanden vorbei schicken würden.“
„Wie alt ist ihre Tochter?“ will der Beamte wissen.
„Etwas über anderthalb“ sage ich.
Ob er die Zeugin mal sprechen könne.
„Klar“ sage ich und halte meiner Tochter das Telefon ans Ohr.
„Und jetzt erzählst du dem Mann am anderen Ende mal genau, wie das war.“
„Mama aeiten“ sagt meine Tochter.
„Nein, nein“ sage ich, „erzähl mal alles über Pullerpan.“
„Papa, Pullerpan.“
„Papa. Poppeln.“
Ich reiße meiner Tochter das Telefon weg.
Sie schreit: „Aua! Papa Aua!“
Der Beamte meint, er würde dann jetzt umgehend eine Streife vorbeischicken.
Und ich solle die Wohnung nicht verlassen.
Ich versuche das Missverständnis aufzuklären, während meine Tochter im Hintergrund plärrt.
„Und fassen sie das Kind nicht mehr an!“ brüllt er durch’s Telefon.
„Machen Sie’s nicht noch schlimmer. Sie haben ja keine Ahnung, was so jemandem wie Ihnen im Knast blüht!“
Ich lege auf, nehme meine noch immer weinende Tochter auf den Arm und streichle ihr über den Kopf.
Blut läuft über ihr Gesicht.
Die Schnittwunde hatte ich bei der ganzen Aufregung ganz vergessen.
Bevor ich dazu komme, mir die Hand zu verbinden, hämmert es an der Wohnungstür.
„Polizei, öffnen Sie. Sofort!“
Zaghaft öffne ich die Tür. Die Polizisten sehen mich an, dann meine Tochter.
Und das Blut in ihrem Gesicht.
„Nicht, dass Sie das falsch verstehen. Das ist mein Blut“ sage ich.
„Lassen Sie das Kind los“ herrscht mich der Eine an.
Der Andere zieht seine Waffe und zielt auf meine Knie.
Langsam setze ich meine Tochter ab. Sie rennt sofort in die Küche.
Die Polizisten drücken mich zu Boden und legen mir Handschellen an.
Als sie damit fertig sind, ist meine Tochter aus der Küche zurück.
In jeder Hand hält sie eine Kartoffel.
Ich muss lachen. „Meintest du, die Kartoffeln sind runtergefallen?“
Sie nickt. „Poppeln pullerpan.“
Die Polizisten verstehen nicht, was ich so witzig finde und stellen die Handschellen noch etwas enger.
Ich lade sie später trotzdem noch zu Pellpoppeln mit Quark ein.
Sie bekommen aber nur die Poppeln, die pullerpan sind.

Als Stöpsel vorschlug, sie könnten ja mal was anderes machen, hatte Stummel gedacht, es ginge darum, mal wieder vor einer anderen Kaufhalle rumzuhängen oder mal die B-Seite der kaputten Slime-Kassette zu hören.
Stöpsel hatte nach zwei Kästen Bier nämlich immer ziemlich geniale Ideen.
Bis auf das eine Mal, als er ihm Hundekacke statt Haarfärbemittel in den Iro geschmiert hatte. Der Gestank war so penetrant, dass er tagelang von streunenden Katzen attackiert wurde und Sterni, der Doggenmischling von Ratte seither ständig auf seinen Kopf urinierte um seine Markierung zu hinterlassen. Als der Gestank auch nach der zehnten Bierwäsche noch immer nicht verflogen war, hatte Stummel sich eine Glatze rasiert, woraufhin zwar die Katzen von ihm abließen, Sterni ihm aber weiterhin auf den Kopf pisste, wohl einfach, weil er sich daran gewöhnt hatte.
Und dann gab es da noch diesen Vorfall in der Oranienburger, als Stöpsel meinte, er müsse den Reisebus voller Glatzen in komischen orangen Klamotten mit Steinen bewerfen und sie am Ende alle von den Shaolin-Kampfkünstlern auf die Fresse bekamen, die gerade zu einer Vorführung im Friedrichstadtpalast unterwegs waren.
Dieses Mal ging es aber weder ums Haare färben noch um Glatzen, also war Stummel ganz Ohr.
Stöpsel erklärte, dass jeder echte Punker mindestens einmal in seinem Leben eine Pilgerreise unternehmen müsse und zwar entlang des Punkerwanderweges, der sich von Berlin-Mitte bis Punkerborn im Barnim erstreckt.
Ratte meinte, auf dieser Pilgerreise wäre er schon zig Male gewesen und das war irgendwie immer Kacke gewesen, er könne sich aber nicht mehr erinnern warum. Vielleicht wegen zu viel Sterni.
Kacke meinte, er wäre noch nie auf dieser Pilgerreise gewesen, während Sterni Stummel mal wieder auf den Kopf strullte.
Assel meinte, es gäbe überhaupt keinen Punkerwanderweg sondern nur einen Pankewanderweg, nämlich entlang des Flusses Panke und das bewiesen ja auch etliche Karten und Ortsschilder.
Schimmel zog Assel ein Sterni über die Rübe und erklärte, Ortsschilder seien Propapagandawerkzeuge des Establishments, während Sterni sich erneut über Stummels Glatze erleichterte.
Dann machten sie sich auf den Weg.
Anfangs waren alle guter Dinge, doch schon nach wenigen hundert Metern neigte sich der Proviant dem Ende.
Schimmel wollte wissen, warum es auf einem Pilgerweg für Punker kein Bier gäbe, woraufhin Stöpsel ihn fragte, was er denn glaube, woraus das Gewässer bestehe, an dem sie gerade entlangwanderten.
Sofort sprangen alle in den Fluss und füllten ihre leeren Pullen auf.
Stummel fand, das Bier aus dem Fluss schmeckte merkwürdig, Assel bekam Magenkrämpfe, Schimmel musste sich übergeben und Moppel fing an zu heulen. Das tat sie in letzter Zeit immer, wenn sie Kotze sah, weil sie dann an ihren Exfreund Kotze denken musste, der sie wegen Kröte verlassen hatte.
Eine halbe Stunde später lag erneut Kotze am Wegesrand, diesmal allerdings kein Erbrochenes von Schimmel, sondern Kotze, der Ex von Moppel. Rotzevoll.
Kotze war von Kröte verlassen worden, und zwar wegen eines Securitybeamten aus der Sparkasse an der Eberswalder in der sie immer zu schnorren pflegte.
Moppel warf sich den komatösen Kotze über die Schultern, dann setzten die Reise fort.
Es muss in der Nähe von Blankenburg gewesen sein, als Lumpi sie auf ein Schild aufmerksam machte: „Freilaufende Bullen“.
Als nur kurze Zeit später ein älteres Pärchen in Partnerlook-Trainingsanzügen auf einem Tandem an Ihnen vorbeifuhr, war klar, dass es sich bei denen nur um Zivilpolizisten handeln konnte.
Stöpsel rief das Codewort „Bullenschweine“ woraufhin alle vergeblich nach Pflastersteinen auf dem Wanderweg suchten und in Ermangelung solcher mit Laub und Rindenmulch nach den vermeintlichen Ordnungshütern warfen.
Die rüstigen Rentner legten eine Vollbremsung hin und stiegen vom Tandem ab.
Stummel musste wieder an die Geschichte mit den Shaolin-Mönchen denken und bekam es mit der Angst zu tun. Er kletterte an Sternis Schwanz hoch, setzte sich auf dessen Rücken und gab ihm die Sporen.
Gemeinsam ritten sie dem Sonnenuntergang entgegen und schlossen sich in Schwanebeck einem Wanderzirkus an, dem sie mit ihrem genialen Sketch „Pipi-Wauzi und der tanzende Hydrant“ zu ausverkauften Häusern rund um den Erdball verhalfen.
Von Zeit zu Zeit, wenn Stummel Abends, nach einer Vorstellung zusammen mit Sterni am Lagerfeuer saß und in die Flammen blickte, musste er an seine alten Weggefährten denken und das stimmte ihn traurig.
Vor allem, vermisste er Stöpsel.
Sicher, er hatte beim Zirkus neue Freunde gefunden. Da waren Erwin, der blinde Schimpanse, Roger, der hinkende Clown, Tina, die übergewichtige Seiltänzerin und noch viele andere.
Doch keiner war wie Stöpsel, der nach zwei Kästen Bier immer so geniale Ideen hatte.

Uff Ämta, uff Ämta
Ick fühl mich so fremd da.
Bin richtich verklemmt da,
bein Redn jehemmt wa.
Mitarbeita von Ämta?
Oft inn olln Hemd wa.
Seine Haare die kämmta,
Büroklamman, die klemmta
zun Mittach da schlemmta.
Szumeist unjehemmt wa.
Deswegn uffjeschwemmt, klar.
Sein Kopp is jedämmt wa.
Dürf nüscht rinn, watt ma fremd wa‘.
Krist inn Leb’n nüscht jestemmt, ja?
Würste Mitarbeita von Ämta!
Uff Ämta, uff Ämta
wär nich so beklemm’nd da,
wär einfach jedet Amt
aus kuschelweichem Samt.

Elite – Eitel

Internet – Renitent

Röstung – Störung

Beatme – Beamte

Selfie – Fliese

Igel – Geil

Schabrackentapir – Arschbackenpirat

Tiere – Eiter

Otter – Torte

Untenrum – Unmunter

Lattenroste – Rattenlotse

Brieftaubenschläge – Bibärengulaschfete

Bauern – Rauben

Maultier – Lautreim

Spionage – Goapenis

Blasen – Salben

Apfelkuchen – Pfauenkelch

Suppe – Pupse

Sprotte – Protest

Feiertag – Fetagier

Stroh – Horst

Eremit – Mieter

Networken – Kennworte

Äther – Härte

Imam – Mami

Schlaf – Falsch

Atlas – Salat

Schumi – Muschi

Linse – Insel – Senil

Christ – Strich

Kunst – Stunk

Eisbein – Beisein

Frauen – Raufen

Flehen – Helfen

Marlon – Normal

Gras – Sarg

Odin – Dino

Mehl – Helm

Lebertran – Erlenbart

Nutte – Tunte

Grafen – Fragen

Fohlen – Flohen

Das geht hier bald noch weiter…