KURZGESCHICHTEN, KRITZELEIEN & KARTOONS

Texte

  • Schmierlappen
  • Die Ruhe selbst
  • Zwei Kästen Bier
  • Ämta
  • Trockene Luft
  • Anagramme lügen nicht

Letztens fahre ich so, ein Liedchen auf den Lippen, mit dem Rad durch den Schnaupel , also so eine Mischung aus Schneeregen und Graupelschauer, schön immer den Fahrradweg entlang und dann steht da ein Wagen, halb auf dem Radweg, kein Licht an, ich rechts dran vorbei, also fast, weil während ich vorbeifahre macht der Beifahrer seine Tür auf.
Ich maule mich und beginne zu fluchen, der Beifahrer steigt aus und kuckt wie ein Auto, als ob er noch nie ein Fahrrad gesehen hätte. Kurz darauf steigt auch der Fahrer des PKWs aus und kuckt ebenfalls wie ein Auto.
Ich kucke nicht wie ein Auto. Ich liege auf dem Boden rum und kucke die beiden an. Wie die schon aussehen. Junge, hübsche Männer, gut gekleidet, dunkelhaarig, aufwändig frisiert. Ich dagegen, na ja stimmt, da sind ein paar Überschneidungen aber diese beiden Versager haben kein Fahrrad und müssen mit dem Auto fahren. Können wahrscheinlich nicht mal Fahrradfahren, diese Schmierlappen.
Nachdem der Fahrer fertig ist mit kucken wie ein Auto, geht er ums Auto herum und sieht nach, ob alles in Ordnung ist, also natürlich nicht mit mir, sondern mit der Autotür. Das verstehe ich total.
Hat wahrscheinlich mehr gekostet die Tür, als ich.
Und so eine Autotür ist ja nicht so einfach zu ersetzen im Gegensatz zu mir. Mit mir zum Beispiel könnte man so eine Autotür nicht ersetzen. Also ich als Autotür, das würde nicht klappen. Die Tür dagegen könnte mich locker ersetzen. Würde sich meine Tochter bestimmt freuen. Könnte sie angeben vor ihren Freunden mit ihrem Vater, der nie schimpft und vor allem, bei welchem Papa kann man bitte die Scheibe runterkurbeln?
Meine Freundin, ach, die würde sich auch dran gewöhnen. Macht doch was her, so eine Tür und ich rede ja auch nicht so viel, das wäre kaum eine Veränderung und zuhören kann eine Autotür bestimmt viel besser als ich. Und ein Fach hat die Autotür, zum Sachen reinpacken. Und die Scheibe, die könnte sie anhauchen und dann mit dem Finger was ins Kondenswasser malen. Ein Einhorn oder einen Penis.
Während es weiterhin angenehm schnaupelt, liege ich noch ein bisschen auf der Straße herum und finde, dass ich total Glück hatte. Immerhin bin ich nicht in die geöffnete Heckklappe eines Transporters gefahren und skalpiert worden oder noch schlimmer meine Frisur wäre durcheinander geraten.
Ich rappele mich auf und schaue nach, ob alles in Ordnung ist, also mit dem Rad und mit meiner Hose, vor allem aber mit meiner Frisur. Ich hole meinen Taschenspiegel aus der Weste und ja scheint alles zu sitzen. Ich meine so ein appes Bein kann man ja kaschieren, aber wenn die Frisur nicht sitzt, das fällt doch auf.
Die beiden Fettfrisuren sehen nach, ob an meinem Hinterkopf, also da wo ich diesen Wirbel habe, die Haare auch noch ordentlich liegen. Die beiden haben nichts zu bemängeln an meiner Frisur und auch die Autotür hat nichts abbekommen. Wir tauschen unsere Telefonnummern aus, um unser lustiges Zusammentreffen bei Gelegenheit zu wiederholen, dann verabschieden wir uns herzlich und jeder fährt seiner Wege.
Zu Hause angekommen mache ich mich nackig und begutachte die blauen Flecken und das blutverschmierte, geschwollene Knie.
Und dann, was muss ich da im Spiegel sehen? Da stehen ja ein paar Haare am Hinterkopf ab. So bin ich also durch die Stadt gefahren? Diese verdammten Schleimköpfe, die haben sich doch gegenseitig in die Haare gewichst! Das nehme ich den beiden echt übel, dass sie mir das mit den abstehenden Haaren nicht gesagt haben.
Es sei denn, und das würde auch das plötzliche Türöffnen während ich vorbeifuhr erklären, die beiden sind sehbehindert. Dann will ich mal ein Auge zukneifen, das Ganze nicht so eng sehen und wünsche den beiden an dieser Stelle weiterhin viel Erfolg im Straßenverkehr Berlins. Wer weiß, vielleicht schaffen sie ja auch irgendwann den Fahrrad-Führerschein oder kaufen sich einen Transporter.
Ich dagegen habe ja einen Führerschein, also fürs Fahrrad. Was mir aber noch fehlt, ist so ein Fach und vielleicht eine Scheibe zum herunterkurbeln. Ich gehe am besten gleich morgen in so einen Body-Modification-Schuppen, weil irgendwie habe ich ein bisschen Angst davor, dass mich meine Freundin irgendwann wegen einer Autotür verlassen könnte.


Stehe in der Küche und bereite das Abendessen vor.
Meine kleine Tochter sitzt in ihrem Hochstuhl und sieht zu.
Wir unterhalten uns ein bisschen.
„Mama“ sagt sie.
„Mama is noch arbeiten“ sage ich.
„Mama aeiten.“
„Genau“ sage ich. „Die kommt heute spät nach Hause.“
Sie schweigt eine Weile, dann sagt sie: „Pullerpan“.
„Pullerpan?“ wiederhole ich und sehe sie fragend an.
„Pullerpan“ bestätigt sie.
Ich lächle sie an und frage mich, ob Puller Pan vielleicht der weniger bekannte Bruder von Peter Pan ist.
Doch dann macht es Klick. Pullerpan, das kann ja eigentlich nur eines bedeuten.
Zum Glück bin ich kein Mensch, der leicht in Panik gerät.
Meine Hand verkrampft sich um das Wiegemesser. Die Klinge dringt tief ins Fleisch ein.
Blut tropft auf die gehackten Kräuter. Ein wahrlich schöner Komplementär-Kontrast.
„Hat einer von den Jungen in der Kita dir seinen Pullermann gezeigt?
Lukas oder Martin oder Thomas?“
Meine Tochter schüttelt den Kopf.
Schweiß tropft von meiner Stirn auf die Wunde an meiner Hand.
„Hat der Hausmeister dir etwa seinen Pullermann gezeigt? Oder der Koch?“
„Pullerpan, poppeln.“
Pullermann und jetzt auch noch poppen.
„War da ein Mann am Zaun vom Kindergarten? Hat der komische Sachen gemacht mit seinem…?“
Der Schweiß brennt in der offenen Schnittwunde. Ich versuche einen kühlen Kopf zu bewahren.
Rufe in der Kita an, um meine Tochter abzumelden.
Es nimmt niemand ab. Beim Jugendamt geht auch keiner ran.
Dann eben die Polizei. Ich schildere dem diensthabenden Beamten die Tatsachen, soweit ich sie kenne: „Jemand, also ich weiß nicht wer und ich weiß nicht mit wem oder was, aber ziemlich sicher ein Mann, jedenfalls, der will mit Hilfe von seinem Pullerpan poppeln. Und das vor den Augen von Kindern.
Meine Tochter ist Zeugin des Vorfalles.“
Der Beamte fragt, ob ich das Ganze noch einmal wiederholen könne.
Sicher, sage ich. Und erkläre ihm gleich noch die Bedeutung von Pullerpan und poppeln.
„Am Besten wäre es, wenn sie gleich jemanden vorbei schicken würden.“
„Wie alt ist ihre Tochter?“ will der Beamte wissen.
„Etwas über anderthalb“ sage ich.
Ob er die Zeugin mal sprechen könne.
„Klar“ sage ich und halte meiner Tochter das Telefon ans Ohr.
„Und jetzt erzählst du dem Mann am anderen Ende mal genau, wie das war.“
„Mama aeiten“ sagt meine Tochter.
„Nein, nein“ sage ich, „erzähl mal alles über Pullerpan.“
„Papa, Pullerpan.“
„Papa. Poppeln.“
Ich reiße meiner Tochter das Telefon weg.
Sie schreit: „Aua! Papa Aua!“
Der Beamte meint, er würde dann jetzt umgehend eine Streife vorbeischicken.
Und ich solle die Wohnung nicht verlassen.
Ich versuche das Missverständnis aufzuklären, während meine Tochter im Hintergrund plärrt.
„Und fassen sie das Kind nicht mehr an!“ brüllt er durch’s Telefon.
„Machen Sie’s nicht noch schlimmer. Sie haben ja keine Ahnung, was so jemandem wie Ihnen im Knast blüht!“
Ich lege auf, nehme meine noch immer weinende Tochter auf den Arm und streichle ihr über den Kopf.
Blut läuft über ihr Gesicht.
Die Schnittwunde hatte ich bei der ganzen Aufregung ganz vergessen.
Bevor ich dazu komme, mir die Hand zu verbinden, hämmert es an der Wohnungstür.
„Polizei, öffnen Sie. Sofort!“
Zaghaft öffne ich die Tür. Die Polizisten sehen mich an, dann meine Tochter.
Und das Blut in ihrem Gesicht.
„Nicht, dass Sie das falsch verstehen. Das ist mein Blut“ sage ich.
„Lassen Sie das Kind los“ herrscht mich der Eine an.
Der Andere zieht seine Waffe und zielt auf meine Knie.
Langsam setze ich meine Tochter ab. Sie rennt sofort in die Küche.
Die Polizisten drücken mich zu Boden und legen mir Handschellen an.
Als sie damit fertig sind, ist meine Tochter aus der Küche zurück.
In jeder Hand hält sie eine Kartoffel.
Ich muss lachen. „Meintest du, die Kartoffeln sind runtergefallen?“
Sie nickt. „Poppeln pullerpan.“
Die Polizisten verstehen nicht, was ich so witzig finde und stellen die Handschellen noch etwas enger.
Ich lade sie später trotzdem noch zu Pellpoppeln mit Quark ein.
Sie bekommen aber nur die Poppeln, die pullerpan sind.

Als Stöpsel vorschlug, sie könnten ja mal was anderes machen, hatte Stummel gedacht, es ginge darum, mal wieder vor einer anderen Kaufhalle rumzuhängen oder mal die B-Seite der kaputten Slime-Kassette zu hören.
Stöpsel hatte nach zwei Kästen Bier nämlich immer ziemlich geniale Ideen.
Bis auf das eine Mal, als er ihm Hundekacke statt Haarfärbemittel in den Iro geschmiert hatte. Der Gestank war so penetrant, dass er tagelang von streunenden Katzen attackiert wurde und Sterni, der Doggenmischling von Ratte seither ständig auf seinen Kopf urinierte um seine Markierung zu hinterlassen. Als der Gestank auch nach der zehnten Bierwäsche noch immer nicht verflogen war, hatte Stummel sich eine Glatze rasiert, woraufhin zwar die Katzen von ihm abließen, Sterni ihm aber weiterhin auf den Kopf pisste, wohl einfach, weil er sich daran gewöhnt hatte.
Und dann gab es da noch diesen Vorfall in der Oranienburger, als Stöpsel meinte, er müsse den Reisebus voller Glatzen in komischen orangen Klamotten mit Steinen bewerfen und sie am Ende alle von den Shaolin-Kampfkünstlern auf die Fresse bekamen, die gerade zu einer Vorführung im Friedrichstadtpalast unterwegs waren.
Dieses Mal ging es aber weder ums Haare färben noch um Glatzen, also war Stummel ganz Ohr.
Stöpsel erklärte, dass jeder echte Punker mindestens einmal in seinem Leben eine Pilgerreise unternehmen müsse und zwar entlang des Punkerwanderweges, der sich von Berlin-Mitte bis Punkerborn im Barnim erstreckt.
Ratte meinte, auf dieser Pilgerreise wäre er schon zig Male gewesen und das war irgendwie immer Kacke gewesen, er könne sich aber nicht mehr erinnern warum. Vielleicht wegen zu viel Sterni.
Kacke meinte, er wäre noch nie auf dieser Pilgerreise gewesen, während Sterni Stummel mal wieder auf den Kopf strullte.
Assel meinte, es gäbe überhaupt keinen Punkerwanderweg sondern nur einen Pankewanderweg, nämlich entlang des Flusses Panke und das bewiesen ja auch etliche Karten und Ortsschilder.
Schimmel zog Assel ein Sterni über die Rübe und erklärte, Ortsschilder seien Propapagandawerkzeuge des Establishments, während Sterni sich erneut über Stummels Glatze erleichterte.
Dann machten sie sich auf den Weg.
Anfangs waren alle guter Dinge, doch schon nach wenigen hundert Metern neigte sich der Proviant dem Ende.
Schimmel wollte wissen, warum es auf einem Pilgerweg für Punker kein Bier gäbe, woraufhin Stöpsel ihn fragte, was er denn glaube, woraus das Gewässer bestehe, an dem sie gerade entlangwanderten.
Sofort sprangen alle in den Fluss und füllten ihre leeren Pullen auf.
Stummel fand, das Bier aus dem Fluss schmeckte merkwürdig, Assel bekam Magenkrämpfe, Schimmel musste sich übergeben und Moppel fing an zu heulen. Das tat sie in letzter Zeit immer, wenn sie Kotze sah, weil sie dann an ihren Exfreund Kotze denken musste, der sie wegen Kröte verlassen hatte.
Eine halbe Stunde später lag erneut Kotze am Wegesrand, diesmal allerdings kein Erbrochenes von Schimmel, sondern Kotze, der Ex von Moppel. Rotzevoll.
Kotze war von Kröte verlassen worden, und zwar wegen eines Securitybeamten aus der Sparkasse an der Eberswalder in der sie immer zu schnorren pflegte.
Moppel warf sich den komatösen Kotze über die Schultern, dann setzten die Reise fort.
Es muss in der Nähe von Blankenburg gewesen sein, als Lumpi sie auf ein Schild aufmerksam machte: „Freilaufende Bullen“.
Als nur kurze Zeit später ein älteres Pärchen in Partnerlook-Trainingsanzügen auf einem Tandem an Ihnen vorbeifuhr, war klar, dass es sich bei denen nur um Zivilpolizisten handeln konnte.
Stöpsel rief das Codewort „Bullenschweine“ woraufhin alle vergeblich nach Pflastersteinen auf dem Wanderweg suchten und in Ermangelung solcher mit Laub und Rindenmulch nach den vermeintlichen Ordnungshütern warfen.
Die rüstigen Rentner legten eine Vollbremsung hin und stiegen vom Tandem ab.
Stummel musste wieder an die Geschichte mit den Shaolin-Mönchen denken und bekam es mit der Angst zu tun. Er kletterte an Sternis Schwanz hoch, setzte sich auf dessen Rücken und gab ihm die Sporen.
Gemeinsam ritten sie dem Sonnenuntergang entgegen und schlossen sich in Schwanebeck einem Wanderzirkus an, dem sie mit ihrem genialen Sketch „Pipi-Wauzi und der tanzende Hydrant“ zu ausverkauften Häusern rund um den Erdball verhalfen.
Von Zeit zu Zeit, wenn Stummel Abends, nach einer Vorstellung zusammen mit Sterni am Lagerfeuer saß und in die Flammen blickte, musste er an seine alten Weggefährten denken und das stimmte ihn traurig.
Vor allem, vermisste er Stöpsel.
Sicher, er hatte beim Zirkus neue Freunde gefunden. Da waren Erwin, der blinde Schimpanse, Roger, der hinkende Clown, Tina, die übergewichtige Seiltänzerin und noch viele andere.
Doch keiner war wie Stöpsel, der nach zwei Kästen Bier immer so geniale Ideen hatte.

Uff Ämta, uff Ämta
Ick fühl mich so fremd da.
Bin richtich verklemmt da,
bein Redn jehemmt wa.
Mitarbeita von Ämta?
Oft inn olln Hemd wa.
Seine Haare die kämmta,
Büroklamman, die klemmta
zun Mittach da schlemmta.
Szumeist unjehemmt wa.
Deswegn uffjeschwemmt, klar.
Sein Kopp is jedämmt wa.
Dürf nüscht rinn, watt ma fremd wa‘.
Krist inn Leb’n nüscht jestemmt, ja?
Würste Mitarbeita von Ämta!
Uff Ämta, uff Ämta
wär nich so beklemm’nd da,
wär einfach jedet Amt
aus kuschelweichem Samt.

Lange habe ich nichts mehr von meinem alten Kumpel Schippe gehört.
Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, doch hatte er, als wir uns das letzte Mal sahen, angekündigt, er wolle den Bundespräsidenten tätlich angreifen.
Dann, eines Tages klingelt das Telefon:
„Meikel, alte Schmutzbrust!“
„Hallo Schippe! Wo bist du denn?“
„Na wo werdick wohl sein. Ick mach Urlaub natürlich.“
„Urlaub also. Zufällig in dem Hotel in Tegel mit den vergitterten Fenstern?“
„Hm ja“ gibt Schippe kleinlaut zu. „Aba ick hab n Einzelzimmer.“
„Hast du wirklich versucht den Gauck zu vermöbeln?“
„Watt habick? Ach so, nee. Aba ditt machick noch. Schließlich is der Gauck ja irgendwie mit Schuld, dassick hier drin bin. Ick war ja uffn Weg zu ihn.“
„Und warum bist du dann jetzt im Knast?“
„Schwarzfahren. Und Urkundenfälschung ooch noch. Ick hatte mir von son Punker n Ticket andrehen lassen und wie sich denn beide Kontrolle herausstellte, war ditt jefälscht jewesen. Ick meine, wen soll man denn heutzutage noch vertraun, wemman nich ma mehr n Punker trauen kann?“
„Gute Frage, Schippe!“
„Na ja, jedenfalls ham die Kontrollettis mitjekricht, dassick noch n paar offene Rechnungen bei der Bahn habe. Und denn binnick direkt mitter U-Bahn inne U-Haft. Ey wär ditt nich n geiler Titel fürn Film? Mitter U-Bahn inne U-Haft?“
„Hm, toll. Wie lange musst du denn jetz noch im Knast bleiben?“
„Weessick nich jenau. Zu meene eigentliche Strafe kommt jetz noch watt obendruff.“
„Was haste denn noch angestellt?“
„Na du weeßt doch, wie ditt is, wemman neu inn Knast kommt.“
„Ehrlich gesagt, Schippe, nee, weißich nich.“
„Man Alter. Wemman inn Knast kommt, denn sucht man sich den größten und krassesten Typen aus, der grade zujegen is und klatscht den erstma richtee um. Einfa als Ansage für alle andan, dasse einn ausn Weg jehn und keene Mätzchen mit einn versuchen.“
„So macht man das also.“
„Ja, so macht man ditt. Is do in jeden Film so. Na und ick dachte mir, hier son Rocker oder eenn vonne Russenmafia umhaun, ditt kann ja jeder.“
„Also ich weiß nicht, Schippe…“
„Na du flei nich, aba jeda Normale. Man jetz haick fajessn, wo ick war.“
„Rocker umhauen.“
„Ah jenau, also ick hab denn so überlegt, wer steht denn inn Knast janz oben uffe Leiter? Richtich! Der Direktor. War zwar jetz nich so der krasse Fighter, der Alte. Aba jute Nehmerqualitäten hatta jehabt. N richtjet Stehuffmännchen.“
„Man, Schippe.“
„Watt denn? Mein Plan is uffjejang. Ick jenieße Respect und Credebility hier inn Knast. Konntick zwar bisher noch nich so auskosten, weil ick sage ma Einzelhaft. Bin heut ditt erste Mal seit vier Wochen draußen.“
„Und wie is dis so in Einzelhaft?“
„Ach jeht. Also bisschen eng uff Dauer, Luft is recht trocken und keene Fenster, ditt nervt n bisschen. Aba dafür kamman keen Zuch kriegn und Insektenplage hält see ooch in Grenzen. Aba jetz erzähl ma, watt jips denn bei dir Neuet?“
„Ich war gerade in Bielefeld.“
„Jipps do janich!“
„Doch gibt es. Ich war ja da.“
„Man ick meinte jipps do janich. Kennste nich mehr dieset Lied von der Wolf?“
„Danke Schippe, jetz habich n Ohrwurm von dem Mist.“
„Ick hätte da noch watt. Da jabs ooch ma son Schlager. Betrunken in Bielefeld hieß der. Wie jing ditt no glei? Wohin ist das viele Geld? Versoffen in Bielefeld. Weiter weessick nich mehr…“
„Klingt nach nem tollen Lied.“
„Isset. Und außer Bielefeld. Watt is sonst so los?“
„Wir haben neue Putzlappen. Die sind super saugfähig.“
„Wieda schön am konsumieren, der feine Herr ja? So wird ditt nie watt mittn Ende vonn Kapitalismus.“
„Die ham nichts gekostet. Ditt sind eigentlich so Tücher, die bei Operationen zum Blut absaugen genommen werden. Hat meine Freundin ausm Krankenhaus mitgebracht.“
„Sind die denn nich, sagn wa ma, n bisschen volljesuppt?“
„Nee. Die waren ja noch neu.“
„Ach. Deine Freundin nimmt also neue Sachen ausn Krankenhaus mit? Wegen sone Leute jeht ditt hier bergab. Die Krankenhäuser müssen immer mehr Einsparungen machen und Frau Doktor klaut ditt Inventar von Arbeit. Weeßte ey, die Ärzte klauen Medikamente und watt weess ick nich allet, wo denn Patienten verrecken, weil der Schrank leer is. Allet klauen die Ärzte. Ick hab schon von Radiologen jehört, die janze Röntgenröhren ham mitjehn lassn.“
„Das is doch Quatsch, Schippe. Diese Bauchtücher, die bei ner Operation nich benutzt wurden, die kommen normalerweise in den Müll.“
„Na wenn ditt so is, kannste mir ooch ma son paar blutige Lappen besorgen.
Und Apropos sparen. Wie machstn du dir Notizen?“
„Mit Stift und Zettel. Wie denn sonst?“
„Und watt machste mit den Zettel, wende die Notiz nich mehr brauchst?“
„Ich schmeiss den weg.“
„Wegen dir stürbt der Regenwald aus!“
„Wieso, wie machst du denn ditt?“
„Ick radiere die Notiz einfa weg. So kannick den Zettel immer wieder benutzen.“
„Dann musste dir doch ständich neue Ratzefummel kaufen.“
„Eben nich. Also bis jetze jedenfalls. Der Clou is nämlee, ick koof keene Radiera. Ick bau mir die selba.“
„Ich glaub, ich will nicht wissen woraus.“
„Warum denn nich? Irgendwatt muss man mit seine Popel do machen.“
„Kamman mit Popeln denn gut radieren?“
„Na ja schmiert n bisschen. Aba ick komm jetz ma zu den Kern vonn Pudel: Ick hab akuten Popelmangel zur Zeit. Is wahrscheinlich wegen der trockenen Luft inne Isolationszelle. Jedenfalls meinste deine Freundin könnte Popel ausn Krankenhaus besorgen?“
„Wie bitte?“
„Na bei sone Operation, zun Beispiel Nasenscheidewand, da müssense vorher do bestimmt erstma absaugen. Da fällt do bestimmt ma watt ab.“
„Bäh.“
„Ach komm. Ditt is do nee eklee. Watt meinste denn, watt Tofu is?“
„Eklich is Tofu.“
„Jebick dir Recht. Weil Tofu is nämich jebleichter Elefantenpopel.“
„Quatsch.“
„Is die Wahrheit. Die Chinesen tun so, als wär ditt watt aus Soja. Aba in Würklichkeit, wie jesacht Elefantenpopel. Die lachen sich da jeden Tach eenn ab über uns Langnasen.“
„Glaubich nich.“
„Gloob watte willst. Ick muss jetz uffhörn. Der Direktor is ausn Krankenhaus zurück und ick soll zu ihn komm. Flei willa ja ne Revanche. Oder und ditt wär noch bessa, er hat mir Popel mitjebracht zun radiern.“
„Na gut Schippe.“
„Ick meld ma wa. Und falls de den Gauck triffst. Ach nee, ditt saick ihn lieba selba!“

Elite – Eitel

Internet – Renitent

Röstung – Störung

Beatme – Beamte

Selfie – Fliese

Igel – Geil

Schabrackentapir – Arschbackenpirat

Tiere – Eiter

Otter – Torte

Untenrum – Unmunter

Lattenroste – Rattenlotse

Brieftaubenschläge – Bibärengulaschfete

Bauern – Rauben

Maultier – Lautreim

Spionage – Goapenis

Blasen – Salben

Apfelkuchen – Pfauenkelch

Suppe – Pupse

Sprotte – Protest

Feiertag – Fetagier

Stroh – Horst

Eremit – Mieter

Networken – Kennworte

Äther – Härte

Imam – Mami

Schlaf – Falsch

Atlas – Salat

Schumi – Muschi

Linse – Insel – Senil

Das geht hier bald noch weiter…