KURZGESCHICHTEN, KRITZELEIEN & KARTOONS

Texte

  • Diggie Doggie Ding Dong
  • Lebensweisheit
  • Die Ruhe selbst
  • Zwei Kästen Bier
  • Ämta
  • Anagramme lügen nicht

In einem begrünten Straßenzug
In den Straßen von Strasburg
Auf dem Weg zum Zug
Nicht mehr weit weg vom Zug
Trifft ein rüder Dachdecker
samt Deckrüdendackel Rüdiger
Auf zwei durstige Diggies
In duften Dickies und Dockers
Mit zwei dicken Doggendamen
Doreen und Donata die Namen
Deckrüdendackel Rüdiger dachte doch
Er dürfe bei den Doggen andocken
Hinterrücks auf die Hinterteile hüpfen
Diggie Doggie Ding Dong
Doch: Don’t do it
Little Deckrüdendackel
Denn das Doggendamenduo
Macht nen Dicken im Duett
Dienstfertig zum Duell
Deckrüdendackel Rüdiger
Drängt daraufhin Deckung suchend
Ins dornige Dickicht
In einem begrünten Straßenzug
In den Straßen von Strasburg
Auf dem Weg zum Zug
Nicht mehr weit weg vom Zug
Dehnt sich die Rübe
Des rüden Dachdeckers
Rüpelhaft dabei rühmlich rülpst er
Und es flattern die Dickies
Und es klappern die Dockers
Die Diggies ducken sich denn
Dachziegel düsen danieder
Von Dächern die bei Gelegenheit
Neu gedeckt werden dürfen
Ein Job für den rüden Dachdecker
Denn demolierte Dächer
Werden gediegen gedeckt
Wie dicke Doggendamen vom
Deckrüdendackel Rüdiger
Doch dieser duckt sich unrühmlich
Dauernd im dornigen Dickicht
In einem begrünten Straßenzug
In den Straßen von Strasburg
Auf dem Weg zum Zug
Nicht mehr weit weg vom Zug
Doch er ist weg der Zug
Bier geleert in einem Zug
Arbeit gibt’s hier ja genug

Nur Diggie Doggie Ding Dong
Diesmal wohl doch nicht

 


Unter den Eunuchen
ist der Eineiige
König

Stehe in der Küche und bereite das Abendessen vor.
Meine kleine Tochter sitzt in ihrem Hochstuhl und sieht zu.
Wir unterhalten uns ein bisschen.
„Mama“ sagt sie.
„Mama is noch arbeiten“ sage ich.
„Mama aeiten.“
„Genau“ sage ich. „Die kommt heute spät nach Hause.“
Sie schweigt eine Weile, dann sagt sie: „Pullerpan“.
„Pullerpan?“ wiederhole ich und sehe sie fragend an.
„Pullerpan“ bestätigt sie.
Ich lächle sie an und frage mich, ob Puller Pan vielleicht der weniger bekannte Bruder von Peter Pan ist.
Doch dann macht es Klick. Pullerpan, das kann ja eigentlich nur eines bedeuten.
Zum Glück bin ich kein Mensch, der leicht in Panik gerät.
Meine Hand verkrampft sich um das Wiegemesser. Die Klinge dringt tief ins Fleisch ein.
Blut tropft auf die gehackten Kräuter. Ein wahrlich schöner Komplementär-Kontrast.
„Hat einer von den Jungen in der Kita dir seinen Pullermann gezeigt?
Lukas oder Martin oder Thomas?“
Meine Tochter schüttelt den Kopf.
Schweiß tropft von meiner Stirn auf die Wunde an meiner Hand.
„Hat der Hausmeister dir etwa seinen Pullermann gezeigt? Oder der Koch?“
„Pullerpan, poppeln.“
Pullermann und jetzt auch noch poppen.
„War da ein Mann am Zaun vom Kindergarten? Hat der komische Sachen gemacht mit seinem…?“
Der Schweiß brennt in der offenen Schnittwunde. Ich versuche einen kühlen Kopf zu bewahren.
Rufe in der Kita an, um meine Tochter abzumelden.
Es nimmt niemand ab. Beim Jugendamt geht auch keiner ran.
Dann eben die Polizei. Ich schildere dem diensthabenden Beamten die Tatsachen, soweit ich sie kenne: „Jemand, also ich weiß nicht wer und ich weiß nicht mit wem oder was, aber ziemlich sicher ein Mann, jedenfalls, der will mit Hilfe von seinem Pullerpan poppeln. Und das vor den Augen von Kindern.
Meine Tochter ist Zeugin des Vorfalles.“
Der Beamte fragt, ob ich das Ganze noch einmal wiederholen könne.
Sicher, sage ich. Und erkläre ihm gleich noch die Bedeutung von Pullerpan und poppeln.
„Am Besten wäre es, wenn sie gleich jemanden vorbei schicken würden.“
„Wie alt ist ihre Tochter?“ will der Beamte wissen.
„Etwas über anderthalb“ sage ich.
Ob er die Zeugin mal sprechen könne.
„Klar“ sage ich und halte meiner Tochter das Telefon ans Ohr.
„Und jetzt erzählst du dem Mann am anderen Ende mal genau, wie das war.“
„Mama aeiten“ sagt meine Tochter.
„Nein, nein“ sage ich, „erzähl mal alles über Pullerpan.“
„Papa, Pullerpan.“
„Papa. Poppeln.“
Ich reiße meiner Tochter das Telefon weg.
Sie schreit: „Aua! Papa Aua!“
Der Beamte meint, er würde dann jetzt umgehend eine Streife vorbeischicken.
Und ich solle die Wohnung nicht verlassen.
Ich versuche das Missverständnis aufzuklären, während meine Tochter im Hintergrund plärrt.
„Und fassen sie das Kind nicht mehr an!“ brüllt er durch’s Telefon.
„Machen Sie’s nicht noch schlimmer. Sie haben ja keine Ahnung, was so jemandem wie Ihnen im Knast blüht!“
Ich lege auf, nehme meine noch immer weinende Tochter auf den Arm und streichle ihr über den Kopf.
Blut läuft über ihr Gesicht.
Die Schnittwunde hatte ich bei der ganzen Aufregung ganz vergessen.
Bevor ich dazu komme, mir die Hand zu verbinden, hämmert es an der Wohnungstür.
„Polizei, öffnen Sie. Sofort!“
Zaghaft öffne ich die Tür. Die Polizisten sehen mich an, dann meine Tochter.
Und das Blut in ihrem Gesicht.
„Nicht, dass Sie das falsch verstehen. Das ist mein Blut“ sage ich.
„Lassen Sie das Kind los“ herrscht mich der Eine an.
Der Andere zieht seine Waffe und zielt auf meine Knie.
Langsam setze ich meine Tochter ab. Sie rennt sofort in die Küche.
Die Polizisten drücken mich zu Boden und legen mir Handschellen an.
Als sie damit fertig sind, ist meine Tochter aus der Küche zurück.
In jeder Hand hält sie eine Kartoffel.
Ich muss lachen. „Meintest du, die Kartoffeln sind runtergefallen?“
Sie nickt. „Poppeln pullerpan.“
Die Polizisten verstehen nicht, was ich so witzig finde und stellen die Handschellen noch etwas enger.
Ich lade sie später trotzdem noch zu Pellpoppeln mit Quark ein.
Sie bekommen aber nur die Poppeln, die pullerpan sind.

Als Stöpsel vorschlug, sie könnten ja mal was anderes machen, hatte Stummel gedacht, es ginge darum, mal wieder vor einer anderen Kaufhalle rumzuhängen oder mal die B-Seite der kaputten Slime-Kassette zu hören.
Stöpsel hatte nach zwei Kästen Bier nämlich immer ziemlich geniale Ideen.
Bis auf das eine Mal, als er ihm Hundekacke statt Haarfärbemittel in den Iro geschmiert hatte. Der Gestank war so penetrant, dass er tagelang von streunenden Katzen attackiert wurde und Sterni, der Doggenmischling von Ratte seither ständig auf seinen Kopf urinierte um seine Markierung zu hinterlassen. Als der Gestank auch nach der zehnten Bierwäsche noch immer nicht verflogen war, hatte Stummel sich eine Glatze rasiert, woraufhin zwar die Katzen von ihm abließen, Sterni ihm aber weiterhin auf den Kopf pisste, wohl einfach, weil er sich daran gewöhnt hatte.
Und dann gab es da noch diesen Vorfall in der Oranienburger, als Stöpsel meinte, er müsse den Reisebus voller Glatzen in komischen orangen Klamotten mit Steinen bewerfen und sie am Ende alle von den Shaolin-Kampfkünstlern auf die Fresse bekamen, die gerade zu einer Vorführung im Friedrichstadtpalast unterwegs waren.
Dieses Mal ging es aber weder ums Haare färben noch um Glatzen, also war Stummel ganz Ohr.
Stöpsel erklärte, dass jeder echte Punker mindestens einmal in seinem Leben eine Pilgerreise unternehmen müsse und zwar entlang des Punkerwanderweges, der sich von Berlin-Mitte bis Punkerborn im Barnim erstreckt.
Ratte meinte, auf dieser Pilgerreise wäre er schon zig Male gewesen und das war irgendwie immer Kacke gewesen, er könne sich aber nicht mehr erinnern warum. Vielleicht wegen zu viel Sterni.
Kacke meinte, er wäre noch nie auf dieser Pilgerreise gewesen, während Sterni Stummel mal wieder auf den Kopf strullte.
Assel meinte, es gäbe überhaupt keinen Punkerwanderweg sondern nur einen Pankewanderweg, nämlich entlang des Flusses Panke und das bewiesen ja auch etliche Karten und Ortsschilder.
Schimmel zog Assel ein Sterni über die Rübe und erklärte, Ortsschilder seien Propapagandawerkzeuge des Establishments, während Sterni sich erneut über Stummels Glatze erleichterte.
Dann machten sie sich auf den Weg.
Anfangs waren alle guter Dinge, doch schon nach wenigen hundert Metern neigte sich der Proviant dem Ende.
Schimmel wollte wissen, warum es auf einem Pilgerweg für Punker kein Bier gäbe, woraufhin Stöpsel ihn fragte, was er denn glaube, woraus das Gewässer bestehe, an dem sie gerade entlangwanderten.
Sofort sprangen alle in den Fluss und füllten ihre leeren Pullen auf.
Stummel fand, das Bier aus dem Fluss schmeckte merkwürdig, Assel bekam Magenkrämpfe, Schimmel musste sich übergeben und Moppel fing an zu heulen. Das tat sie in letzter Zeit immer, wenn sie Kotze sah, weil sie dann an ihren Exfreund Kotze denken musste, der sie wegen Kröte verlassen hatte.
Eine halbe Stunde später lag erneut Kotze am Wegesrand, diesmal allerdings kein Erbrochenes von Schimmel, sondern Kotze, der Ex von Moppel. Rotzevoll.
Kotze war von Kröte verlassen worden, und zwar wegen eines Securitybeamten aus der Sparkasse an der Eberswalder in der sie immer zu schnorren pflegte.
Moppel warf sich den komatösen Kotze über die Schultern, dann setzten die Reise fort.
Es muss in der Nähe von Blankenburg gewesen sein, als Lumpi sie auf ein Schild aufmerksam machte: „Freilaufende Bullen“.
Als nur kurze Zeit später ein älteres Pärchen in Partnerlook-Trainingsanzügen auf einem Tandem an Ihnen vorbeifuhr, war klar, dass es sich bei denen nur um Zivilpolizisten handeln konnte.
Stöpsel rief das Codewort „Bullenschweine“ woraufhin alle vergeblich nach Pflastersteinen auf dem Wanderweg suchten und in Ermangelung solcher mit Laub und Rindenmulch nach den vermeintlichen Ordnungshütern warfen.
Die rüstigen Rentner legten eine Vollbremsung hin und stiegen vom Tandem ab.
Stummel musste wieder an die Geschichte mit den Shaolin-Mönchen denken und bekam es mit der Angst zu tun. Er kletterte an Sternis Schwanz hoch, setzte sich auf dessen Rücken und gab ihm die Sporen.
Gemeinsam ritten sie dem Sonnenuntergang entgegen und schlossen sich in Schwanebeck einem Wanderzirkus an, dem sie mit ihrem genialen Sketch „Pipi-Wauzi und der tanzende Hydrant“ zu ausverkauften Häusern rund um den Erdball verhalfen.
Von Zeit zu Zeit, wenn Stummel Abends, nach einer Vorstellung zusammen mit Sterni am Lagerfeuer saß und in die Flammen blickte, musste er an seine alten Weggefährten denken und das stimmte ihn traurig.
Vor allem, vermisste er Stöpsel.
Sicher, er hatte beim Zirkus neue Freunde gefunden. Da waren Erwin, der blinde Schimpanse, Roger, der hinkende Clown, Tina, die übergewichtige Seiltänzerin und noch viele andere.
Doch keiner war wie Stöpsel, der nach zwei Kästen Bier immer so geniale Ideen hatte.

Uff Ämta, uff Ämta
Ick fühl mich so fremd da.
Bin richtich verklemmt da,
bein Redn jehemmt wa.
Mitarbeita von Ämta?
Oft inn olln Hemd wa.
Seine Haare die kämmta,
Büroklamman, die klemmta
zun Mittach da schlemmta.
Szumeist unjehemmt wa.
Deswegn uffjeschwemmt, klar.
Sein Kopp is jedämmt wa.
Dürf nüscht rinn, watt ma fremd wa’.
Krist inn Leb’n nüscht jestemmt, ja?
Würste Mitarbeita von Ämta!
Uff Ämta, uff Ämta
wär nich so beklemm’nd da,
wär einfach jedet Amt
aus kuschelweichem Samt.

Zart – Arzt

Genau – Augen

Elite – Eitel

Internet – Renitent

Röstung – Störung

Beatme – Beamte

Selfie – Fliese

Igel – Geil

Schabrackentapir – Arschbackenpirat

Tiere – Eiter

Otter – Torte

Untenrum – Unmunter

Lattenroste – Rattenlotse

Brieftaubenschläge – Bibärengulaschfete

Bauern – Rauben

Maultier – Lautreim

Spionage – Goapenis

Blasen – Salben

Apfelkuchen – Pfauenkelch

Suppe – Pupse

Sprotte – Protest

Feiertag – Fetagier

Stroh – Horst

Eremit – Mieter

Networken – Kennworte

Äther – Härte

Imam – Mami

Schlaf – Falsch

Atlas – Salat

Schumi – Muschi

Linse – Insel – Senil

Christ – Strich

Kunst – Stunk

Eisbein – Beisein

Frauen – Raufen

Flehen – Helfen

Marlon – Normal

Gras – Sarg

Odin – Dino

Mehl – Helm

Lebertran – Erlenbart

Nutte – Tunte

Grafen – Fragen

Fohlen – Flohen

Das geht hier bald noch weiter…