KURZGESCHICHTEN, KRITZELEIEN & KARTOONS

Leben in den Zeiten des Corona (5)

Freunde des Klimawandels,
ich muss sagen, ich bin ziemlich verwirrt. Und nicht nur ich. Von vielen anderen Berliner Künstlern und anderen kleinteiligen Freischaffenden habe ich gehört, dass es Ihnen nicht anders geht als mir: Ein langjähriger, treuer, liebgewonnener Freund, er hat uns verlassen, wie es scheint. Ich nannte ihn Strichi, andere mögen ihn mit einem anderen Namen versehen haben, doch geht es nicht um Namen, es geht um Taten. Und Strichi, das kann ich euch sagen, Strichi tat was er tat, jeder Zeit ohne murren. Jedes Mal wenn ich und tausend andere systemirrelevante Kulturschaben unseren Kontostand abriefen, war er da. Die Zahlen änderten sich von Zeit zu Zeit, doch Strichi blieb, stand stets den Zahlen voran. Seit gestern jedoch, die Zahlen kommen mir bekannt vor, aber Strichi, wo ist Strichi? Ist Strichi etwa Opfer des Krokusnussvirus geworden? Hatte Strichi überhaupt eine Lunge? Hinterlässt er Mann und Kinder? Hat er sich in letzter Zeit im Ausland aufgehalten? Ist vielleicht nicht tot sondern nur im Heimbüro? Wie wenig ich doch über Strichi weiß. Sicherheitshalber verschütte ich einen Schluck Desinfektionsmittel (Trankopfer) auf dem Boden, auf dem meine Tochter ausrutscht und schrecklich weint. Als ich ihr verrate, dass es heute Spaghetti Coronara als Heimschulspeisung gibt, bessert sich ihre Laune. Meine Laune dagegen wird heute wohl nicht mehr besser, auch wenn mein Kontostand ausgeglichen ist. Strichi, er fehlt.

2. April 2020
Leben in den Zeiten des Corona (5)

Leben in den Zeiten des Corona (4)

Freunde der Isolation,
gestern wurde doch tatsächlich behauptet, dass das was ich hier zur Zeit ins Internet reinschreibe sehr darmlastig sei. Dabei liegt das doch in der Natur der Sache oder in der Anatomie des Menschen: Kurz vor dem Ende ist es immer darmlastig. Aber anderes Thema: Kriminalität. Und damit meine ich ausnahmsweise mal nicht das Hamstern von Klopapier. Ich meine die kriminelle Kriminalität, also die, die in Kriminalstatistiken erfasst wird (dazu gehört das Hamstern von Klopapier und diverser Lebensmittel aus mir nicht ganz nachvollziehbaren Gründen anscheinend nicht). Und diese Kriminalität verlagert sich zusehends ins World Weird Web. Cyberkriminalität. Hackerangriffe zum Beispiel auf Lieferando (da wollte ich mir letztens was bestellen) oder auf die Investitionsbank Berlin (da wollte ich mir was anderes bestellen). Die Gründe für diese Verlagerung sind vielfältig. Einerseits sind Kriminelle ja auch nur Verbrecher wie du und ich, viele von Ihnen machen zur Zeit Home Office. Andererseits haben es Kriminelle, zum Beispiel Einbrecher, im Moment besonders schwer: Viele Wohnungen und Einfamilienhäuser sind auch tagsüber nahezu ständig bewohnt (Home-Office, Home-Schooling, Home-Drinking, Home-Clubbing, Quarantäne), kaum jemand fährt zur Zeit in den Urlaub und selbst wenn der geneigte Einbrecher ein kurzzeitig unbesetztes Objekt zum Entleeren gefunden hat, kann er den Bruch wegen der Kontaktsperre ja nur mit maximal einem Kollegen durchziehen und sollte es sich dann um ein prall gefülltes Haus oder eine ebensolche Wohnung handeln, dann bekommt man in der kurzen Zeitspanne (kurzer Spaziergang oder Einkauf des oder der Haus oder Wohnung bewohnenden Home-Officers) zu zweit doch kaum die Bude ausgeräumt (und dann am besten noch mit 1,5 Meter Abstand eine schwere Mingh-Vase oder eine Truhe voller Fabergé-Eier durchs Treppenhaus oder die Freitreppe hinunter bugsieren). Und seien wir mal ehrlich: Die Unzufriedenheit ob eines unvollendeten Jobs, die setzt sich doch im Hirn fest wie Hämorrhoiden am After. Dann doch lieber aus dem Home-Office in ein paar Internetseiten einbrechen und darauf hoffen, dass der Webseitenbetreiber ein paar Bitcoin in seinem digitalen Safe (heißt das dann Websafe oder Cloudsafe?) gebunkert hat. (Hey, ich bin neu im Internet, so stelle ich mir das eben vor!) Und bevor ich hier gleich im Home-Office das Licht ausknipse, was haltet ihr davon, wenn wir in Zukunft statt Home-Office Heimbüro, statt Home-Schooling Heimbeschulung und statt Quarantäne Carsharing sagen?

31. März 2020
Leben in den Zeiten des Corona (4)

Leben in den Zeiten des Corona (3)

Freunde der gepflegten Verschwörungstheorie,
falls ihr euch fragt: Ja, ich bin noch immer im Besitz von genügend Toilettenpapier für die nächsten Jahre Wochen. Ich hoffe, ihr sitzt auch nicht auf dem Trockenen bzw. Feuchten (kein fester Stuhlgang + kein Klopapier). Anderes Thema, also eines von welchem man in diesen Tagen kaum hört: Corona. Ich bin da nämlich einer Sache auf der Spur. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Musiker Musikproduzent Mark ’Oh hinter oder zumindest in der