KURZGESCHICHTEN, KRITZELEIEN & KARTOONS

Leben in den Zeiten des Corona (11)

Freunde des digitalen Zeitalters,

gestern Mittag rief mich der Kollege Spider an und frug ob ich denn nicht mit ihm und ein paar anderen Herren am Abend etwas ins Internet hineinlesen wollen würde. Livestream. Jeder von seinem Heimnetzwerk ins Internet hinein. Ich hatte so meine Bedenken, aber der Test am Nachmittag lief überraschend gut. Am Abend dann aber: Grottenschlechte Verbindung. Vor allem der Ton ginge gar nicht, so schruben es Kommentatorinnen ins Internetz hinein. Das Internet verstand mich nicht. Und nichts half. Weder der Neustart des Rechners noch Browserwechsel, noch was man eben noch so alles machen kann (Kopfstand, Hampelmann, Schnapper basteln). Ich bin mir ja relativ sicher, dass da jemand oder mehrere jemande nicht wollten, dass ich im Internet zu verstehen bin. Christian Drosten, die Balkonklatscherlobby oder dieser Internetmilliardär Bill Withers oder Bill Kaulitz oder wie der heißt. Keine Ahnung warum die nicht wollen, dass ich im Internet zu hören bin. Müsst ihr die mal fragen. Oder die Prenzlschwaben, vielleicht wollen die mich auch kaputtmachen. Vielleicht wollen die die Urbevölkerung des Bezirkes Prenzlauer Berg ausrotten. Abgesehen davon weiß ich gar nicht, ob sich die Prenzlschwaben selbst als Prenzlschwaben bezeichnen. Diese eine Olle, die sich Prenzlschwäbin schimpft, macht das jedenfalls. Aber auch wenn sie sich nicht so nennen: Jede Wortschöpfung die „Prenzl“ enthält wie zum Beispiel Prenzl Bäcker, Prenzl Zahnärzte oder Prenzl Puff hat sich mit 99,9 %iger Sicherheit kein Indigener aus Prenzlauer Berg ausgedacht. Und das heißt im Umkehrschluss natürlich: Nichts. Weil, wie Alfred Einstein schon sagte: Kausalität ist kein Kreisverkehr. Oder so ähnlich. Jedenfalls die sogenannten Prenzlschwaben die habe ich echt im Verdacht. Und die Balkonklatscher. Könnte mir vorstellen, dass die Schnittmenge da auch recht groß ist, aber das ist nur so ein Gefühl. Spider wohnt ja auch in Prenzlauer Berg, aber der wurde in Hohenschönhausen oder auf Hiddensee oder so geboren und deswegen hatte der gestern Abend keine Probleme mit dem Ton, weil wegen ihm haben die balkonklatschenden Okkupanten nicht die Kontrolle über das Bürgeramt Fröbelstraße und die Hoheit über das Internet im ehemaligen Arbeiterbezirk übernommen, nee, die wollen an mich ran. Vielleicht muss ich jetzt auch in den Untergrund gehen, wie dieser vegane Gehirnakrobat. Ist der überhaupt schon in den Untergrund hinabgestiegen? Wenn ein Veganer sich so langsam, in vielen kleinen Schritten an sein Ziel heranpirscht, heißt das dann Tofusalamitaktik? Kann das hier überhaupt jemand lesen? Wo ist eigentlich der Eingang zum Untergrund? Ist der Untergrund gezwungenermaßen unterirdisch? Wo klatschen Menschen, die keinen Balkon ihr eigen nennen können? Wie spät ist es gerade? Ob die Prenzlschwaben mich zwangsimpfen wollen? Werde ich dann schwäbeln? Ist euch schon mal aufgefallen, dass der Süßigkeitenhersteller Hitschler, also das der Firmenname Hitschler voll so klingt, als würde ein Schwabe Hitler sagen? Kann es sein, dass ich überhaupt keine Ahnung habe wie Schwaben sprechen? Sind das in Wirklichkeit alles Sachsen oder Thüringer? Kennt ihr noch die Fernsehserie CHIPs? Gab es da nicht mal eine Folge über Zwangsimpfungen? Schmecken die Sauren Gurken von Hitschler eigentlich gut? Wusstet ihr was passiert wenn man das Wort Ton rückwärts liest? Ist das krass oder was? Versteckte Botschaft ick hör dir trapsen. Von welchem Land ist eigentlich die versteckte Botschaft? Nordkorea oder Panama oder was? Kann man da Asyl beantragen? Und wenn, hätte Edward Snowden mit den Scherenhänden nicht lieber dahin gehen sollen statt zur Botschaft von, ach weiß ich jetzt nicht mehr wo der war. Übrigens: An so einem Schnulliladen für Klamotten in der neuen oder alten Schönhauser, kann mir nicht merken was wo ist, da steht im Schaufenster geschrieben: „Eden is now“. Ich hab das aber erst nach mehrfachem lesen kapiert und vorher immer Edward Snowden gelesen. Ey, ich hab jetzt voll Lust auf Weingummi oder Schaumgummi oder Gummibären oder andere Gummitiere. Gummibeuteltiere von mir aus. Geht euch das auch so? Würdet ihr auch welche von Hitschler essen?

Tippp für heute: Aus sich herausgehen. (Die Sonne scheint.)

 

 

20. Mai 2020
Leben in den Zeiten des Corona (11)

Leben in den Zeiten des Corona (10)

Freunde der Käseglocke,
was ist eigentlich aus den Balkonklatschern geworden? Wart ihr früher selber mal welche? Ich muss zugeben, ich habe es probiert, also vor meinem geistigen Auge, und dann aber für Scheiße befunden. Liegt aber vielleicht auch nur daran, dass ich im Hinterhaus wohne und da denn, wenn ich geklatscht oder gesungen hätte, nich so viele was von meiner Generösität mitbekommen hätten. Worauf ich aber hinaus will ist, dass ich mir das mit dem Klatschen, also das sollten wir beibehalten oder nee, besser noch ausweiten. Klatschen nicht nur für Menschen in Deutschland, deren Arbeit zwar wichtig ist, deren Arbeit wir aber ungern machen würden (Von der Bezahlung mal ganz abgesehen) – Nee wir müssen da global denken, Klatschen zum Beispiel für Kindersoldaten, Paketzustellern, Obdachlosen, auf Kakaoplantagen arbeitende Kinder oder Arbeiter in Jeansfabriken in Bangladesh, überhaupt Arbeiter in der Textilindustrie in Asien oder Plantagenarbeiter in Südspanien. Die Liste ist lang, das klatscht sich sicherlich nicht in fünf Minuten weg. Aber vielleicht jeden Abend ein paar Minuten? Leider bin ich mir mit den Maßeinheiten noch nicht so ganz sicher, also wie viele Klatscher sind ein Urlaubstag oder wie viele Klatscher sind ein Tageslohn? Muss ich mal einen Experten fragen. Ken Jebsen oder Jens Spahn zum Beispiel.

Tippp für heute: Vom Tellerrand in den Abgrund schauen.

19. Mai 2020
Leben in den Zeiten des Corona (10)

Leben in den Zeiten des Corona (9)

Freunde der lockeren Knopfleiste,
ich weiß ja nicht, wie es bei euch ist, mir jedenfalls kann man es einfach nicht recht machen. Erst fand ich es blöd, dass die Schulen dicht waren und ich das Kind zu Hause beschulen musste (Beschulen klingt irgendwie so wie Besohlen oder Beschlagen oder klingt das etwa nur in meinen ungewaschenen Ohren so?) und jetzt wo das Kind wieder in die Schule darf (240 Minuten Präsenzzeit pro Woche in denen voraussichtlich nichts von den zu erledigenden Schulaufgaben gemacht wird und man das Kind zur Schule bringen und von der Schule abholen muss, dem Kind und falls man selbigem hilft auch einem selbst als Aushilfslehrkraft fehlen also 240m min + x zur Erledigung der Aufgaben) da kommt von mir auch wieder nur Genörgel. Erst hü dann hott. (Hü und hott habe ich in letzter Zeit beim durchforsten diverser Kommentarspalten im Darknet bei Mainstreammedien bei facebook mehrfach in der Schreibweise „Hüh und Hot“ gesehen.) (Nur mal so als Info für euch.) (Macht was draus!) Jedenfalls also das mit der Präsenzzeit in den Schulen, ach nee, vielleicht einfach mal abwarten, nicht gleich wieder meckern. Andere Sache: Habt ihr auch Lust auf Sauna? Also muss ja nicht mit mir sein, nur so generell. Ich überlege nämlich eine Petition für die schnelle Wiedereröffnung von Saunen zu starten. Die Öffnung natürlich mit allen Schikanen sprich Sicherheitsmaßnahmen in den Saunen. Sichere Sauna oder auch Safe Sauna, abgekürzt SS oder nee vielleicht lieber ohne Abkürzung. Jedenfalls mein Sicherheitskonzept sieht so aus: Fäustlinge oder alternativ auch ein Muff für die Hände, Neoprenschuhe, Gummistiefel oder Mülltüten mit Zugband für die Füße, Mund-Nasen-Schutz vors Gesicht und auch auf jede Pobacke ein Mund-Nasen-Schutz (kein Schweiß auf’s Holz!). Der oder die Aufgussmeister/in kommt vollverschleiert in die Sauna. Alternativ geht für den oder die Aufgussmeister/in und die Saunabesucher auch ein Taucheranzug. Na was sagt? Seid ihr dabei? Soll ich die Petition schon mal ins Internet reinschreiben? Sagt mal bitte schnell, weil ich hab heute noch Präsenzzeit außerhalb des World Weird Web. Im Home-Zuhause.

Frage: Gelten die Kontaktbeschränkungen eigentlich auch in der Elektrotechnik?

These: Man kann meckern ohne deutsch zu sein, aber nicht deutsch sein ohne zu meckern.

Tippp: Mal ein paar Stellschrauben lockern.

 

 

11. Mai 2020
Leben in den Zeiten des Corona (9)

Leben in den Zeiten des Corona (8)

Freunde der Grenzschließungen,
die Welt steht Kopf möchte man meinen. Da wurden am 1. Mai doch tatsächlich Teilnehmer einer linken Demo in Greifswald verwiesen, weil sie nicht vermummt waren und kurz drauf demonstriert die AfD in Waren für sofortige Grenzöffnungen. Landesgrenzen natürlich nur, aber immerhin.
Vieles gerät in diesen Tagen durcheinander. Auch ich. So verstand ich heute bei den Radionachrichten zuerst Kotzarbeitergeld statt Kurzarbeitergeld und dann als es um die Razzien bei Salafisten in Berlin, die bei den Soforthilfen für Kleinunternehmer geschummelt haben sollen, verstand ich, sie hätten sich häufig in der Pussyleck-Moschee getroffen. Sieh an, dachte ich, diese Salafisten, sind gar nicht so eindimensional. Die Errichtung eines Gottesstaates, das Abschlachten von Ungläubigen und Feminismus schließen sich vielleicht doch nicht aus. Dann aber die Ernüchterung: Die Moschee hieß Fussilet-Moschee. Gegründet vom inzwischen verbotenen Verein Pussyleck 88 Fussilet 33.

Frage: Gilt ein Selbstmordattentäter als Soloselbstständiger?

Frage 2: Kann ein Gefährder Grundsicherung beantragen, auch wenn er durch sein ständiges Herumgefährden dem 1. Arbeitsmarkt gar nicht zur Verfügung steht?

Tippp: Gegen die Verwirrung hilft sich mal auf den verschiedenen Socialmediakanälen von Xavier Naidoo und Ken Jebsen umzuschauen. Die machen was sie immer machen, Corona hin oder her. Verwirrt mögen sie sein, das aber immerhin konstant. Und Konstanz (nich die Stadt) ist es ja wohl, was fehlt in diesen unruhigen Zeiten.

 

7. Mai 2020
Leben in den Zeiten des Corona (8)

Leben in den Zeiten des Corona (7)

Freunde des Einkaufsbummels,

wahrscheinlich wisst ihr es schon längst, aber sicher ist sicher: Vor einigen Tagen ist Leon Boden gestorben. Schauspieler, Regisseur, vor allem aber bekannt als Synchronsprecher. Boden war, neben vielen anderen Engagements als Synchronsprecher, fester Sprecher für zwei Schauspieler, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Jason Statham und Denzel Washington. Jason Statham, der Inbegriff der Coolness. Wie dämlich das Skript auch sein möge, wie unterirdisch die Dialoge, in nahezu jedem Film in dem er mitspielt, schafft er es mich zu überzeugen. Die lockerflockige Art, wie er seinen Opponenten vor den Latz haut, hier ein Tritt, dort ein Schlag, zwischendurch immer mal ein kesser Spruch, ein sympathisches, bisweilen auch irres Grinsen. Hier einen Sturz von einem Hochhaus überlebt, dort eine Explosion überstanden, über Drehbücher mag ich nörgeln, Jason jedoch schafft es kaum mich zu enttäuschen. Ganz anders dagegen Denzel (oder wie wir Freunde des Sven sagen: Svenzel) Washington. Er kann ja nichts dafür, aber wenn er in einem Film mitspielt, habe ich immer die Vermutung, dass alle anderen afroamerikanischen Schauspieler entweder gerade keine Zeit oder überzogene Gehaltsvorstellungen hatten. Auch wenn er in vielen guten Filmen mitgespielt hat, Svenzel Washington wird für mich immer der Aushilfsafroamerikaner bleiben. Ich kann gar nicht genau erklären warum, aber er löst in mir meist Mitleid aus und wenn ich dann doch mal einen Film mit ihm kucke, stelle ich mir an seiner statt lieber Samuel L. Jackson, Forest Whitaker oder auch mal Laurence Fishburne vor. Um nicht als Rassist zu gelten, könnte ich mir natürlich auch mal Woody Harrelson, Michael Rapaport oder Jason Statham statt Denzel Washington vorstellen, was aber schwierig ist, wenn Svenzel gerade den Gründer des Black Consciousness Movement oder Malcolm X oder einen im amerikanischen Bürgerkrieg kämpfenden Schwarzen mimt. Immerhin hat Svenzel, auch wenn ihm meine Gunst fehlt (welche natürlich schwerer wiegt als jegliche mit Metallic Goldlack besprühte Knetmasse zum in die Vitrine stellen), auch den ein oder anderen Orzeł, Jussi, Oscar und Golden Globe Award gewonnen. Leon Boden dagegen hat nie einen Oscar gewonnen, nicht mal eine Lola und auch nicht den Deutschen Synchronpreis. Dafür meine Gunst. Nicht meine Gunst gewonnen haben, neben Svenzel Washington, mal wieder die Bewohner meines Heimatbezirkes Prenzlauer Berg. Am vergangenen Samstag, an dem es laut Presse nicht, oder zumindest nicht ausreichend (Wovon auch? Kurzarbeitergeld?) den erwünschten Ansturm auf die Einzelhändler gab, brachte ich mein Fahrrad zur Reparatur in einen Fahrradladen nahe des Kollwitzplatzes, der Hochburg der verhinderten Häuslebauer und Distanzgestörten. Gut gefüllt war der Bürgersteig vor dem Geschäft, als ich ankam um mein Fahrrad abzugeben (begrenzte Kundenanzahl im Laden, allerdings merkwürdigerweise nicht abhängig vom Körperumfang der jeweiligen Kunden) und so vertrieb ich mir die Zeit, indem ich mir, nicht ganz freiwillig, von einem Mitwartenden seine verschwörungstheoretischen Auswürfe in die Ohren Husten ließ. Die reichsten 3% der Menschheit hätten das mit dem Corona um uns alle – das liegt ja wohl auf der Hand – und dann hatte er sich extra ein Zitat von Einstein zurecht gelegt – aber ich war schon längst dem Gespräch (Monolog) entschwunden weil: Zu den reichsten 3% der Weltbevölkerung gehört auch Trump und den halte ich einerseits für zu dumm und plump um an einer aufwendig geplanten Unterjochung der Weltbevölkerung mitzuarbeiten und andererseits ist Trump ein dermaßener Egomane, dass er sich sicherlich nicht von den anderen Superreichen zu einer demokratisch abgestimmten Unterjochungsstrategie drängen lässt. Weiterhin halte ich es nicht für wahrscheinlich, dass sich die Superreichen der Welt oder irgendein Staat oder eine Staatengemeinschaft auf einen Plan (Corona und Folgen) zur Unterjochung des kleinen Mannes (samt Frau, Mann, Kindern usw.) einigen könnte ohne vorher mit Trump Rücksprache zu halten. Der Irre hat immerhin Zugang zu einem nicht unerheblichen Waffenarsenal. Und Hektoliterweise Desinfektionsmittel. Also lenkte ich den Smalltalk auf das Vor-Corona Standard-Smalltalkthema Wetter, bis mich ein freundlicher Mitarbeiter in den Laden bat, mir mein Rad abnahm und mir sagte, ich könne das reparierte Gefährt noch heute, kurz vor Ladenschluss abholen.
Als ich um kurz vor 16 Uhr erneut vor dem Laden erscheine, ist das Trottoir davor wieder anständig mit Wartenden gespickt. Der Ladenmitarbeiter, der wie schon mittags, je einen Kunden in den Laden bittet, nachdem ein anderer Kunde zuvor den Laden verlassen hat, weist darauf hin, dass der Laden um 16 Uhr schließt. Natürlich haben alle Wartenden nur ganz einfache Wünsche. Einen neuen Schlauch oder hier nur die eine Schraube und die andere Schraube und überhaupt müsste mal, aber sie warteten ja schließlich auch schon mindestens sieben Minuten, könnten sie ja nichts dafür, dass der Laden jetzt gleich schließe. Der Mitarbeiter lässt sich breitschlagen und sagt, er und seine Kollegen täten ihr Bestes, dass alle die jetzt vor dem Laden stünden und wirklich nur kleine Anliegen hätten, heute noch rankämen, aber aufwändigere Reparaturen, die müssten leider auf den nächsten Werktag – ein Raunen geht durch die Schlange, immerhin habe man ja zum Teil schon bis zu acht Minuten hier draußen – und der ja leider auch auf die Kundschaft angewiesene Mann, lotst eine Kundin in den Laden, sichert uns Außenstehenden zu, sich unsere Wünsche zumindest alle anzuhören und sie im Idealfall sogar zu erfüllen und bittet uns, ob wir denn nicht vielleicht zumindest dafür Sorgen könnten, dass nicht noch mehr Kunden dazukämen. Natürlich haben sich etliche neue Kunden mit nur so ganz einfachen Anfragen, ganz spontan, vor dem Laden versammelt, einige warten schon seit mindestens 3 Minuten, als mich der Mitarbeiter mit Tränen in den Augen in den Laden winkt, damit ich mein repariertes Zweirad abholen kann.
Als ich den Laden verlasse, versucht der zermürbte Fahrradladenmitarbeiter eine Dame samt Kind am Betreten des Ladens zu hindern und erklärt ihr und ihrem Nachwuchs: „Der Laden habe seit einer Stunde geschlossen.“ „Aber er sei doch noch offen der Laden“ entgegnet die Dame „und der Theodor, der bräuchte doch ein neues Fahrrad. Kann doch jetzt kein großes Problem sein.“ Der Mitarbeiter schluckt und erklärt, dass der Laden aber eigentlich schon – die Dame meint: „Nur mal schauen wollten sie und der Theodor, nicht lange, keine Sorge, nur mal schauen.“ „Seit einer Stunde“ wimmert der nun am Boden liegende Mitarbeiter, während die Frau, in deren Wortschatz das Wörtchen Nein nicht zu existieren scheint und der Theodor über ihn hinweg steigen und den Laden betreten. „Seit über einer Stunde“ brülle ich DEM Thedodor und seiner Mutter hinterher. Der Junge zuckt immerhin kurz zusammen, von der Mutter keine Reaktion. Ich ärgere mich nicht zum ersten Mal in diesen Tagen, dass ich mir noch immer keine Teleskop-Fliegenklatsche zugelegt habe, mit der ich auch in Zeiten des Mindestabstandes die ein- oder andere Besinnungsschelle verteilen könnte. „Mindestanstand statt Mindestabstand“ murmele ich wiederholt vor mich hin, während ich mich ob der coronabedingten Gewichtszunahme gemächlich auf mein Rad hieve. Der noch immer auf dem Boden liegende Dienstleister sieht mich fragend aus seinen wässrigen Augen an. „Hast schon richtig verstanden“, sage ich „und überleg dir mal lieber, wer du im Leben sein möchtest. Jason Statham oder Svenzel Washington. Leon Boden würde sich schämen, Alter!“ Wieder sieht mich der Mann vom Boden fragend an, aber was soll ich sagen, ich weiß ja selbst nicht so genau, wie ich das meine.

Frage: Warum hat Leon Boden eigentlich fast ausschließlich  Afroamerikaner synchronisiert? Gibt es da vielleicht schon verlässliche Verschwörungstheorien?

Frage 2: Warum haben die Maden vom Fahrradladen eigentlich am Sonntag nicht geöffnet? Bei dem schönen Wetter. Vielleicht würden sich der Thorben-Lennart und seine Mutter heute mal ganz ein spontan einige Räder anschauen wollen. Oder auch nicht. Machen die einfach so ganz spontan. Völlig unabhängig von diesen „Öffnungszeiten“ von denen diese humanoiden Arbeitsdrohnen immer faseln.

Tippp: Sich eine Teleskop-Fliegenklatsche selber basteln.

Tippp 2: Das schöne Wetter im Keller genießen.

26. April 2020
Leben in den Zeiten des Corona (7)

Leben in den Zeiten des Corona (6)

Freunde des Gartenzwerges,
kaum bin ich mal kurz im Urlaub auf ner Konferenz aus Gründen nicht in Berlin, aber natürlich nur mit der Kernfamilie (ich stelle mir beim Wort Kernfamilie ja immer so verschieden große Apfelkerne vor, die im Griebsch schön familienmäßig zusammen Abkernen), da geht erst das Internet kaputt (jedenfalls da wo ich war (Brandenburg!)) (obwohl vielleicht ist das da auch der Normalzustand, wer weiß) und dann noch mein angeblich ach so schlaues Taschentelefon (vor dem Futschgehen hat es seine Schlauheit jedenfalls nicht gerettet) und ich vermute inzwischen sind wieder ein Haufen Sachen passiert, also in Sachen Corona natürlich nur. Weil andere Probleme wie Krieg, Hunger oder gar andere Krankheiten gibt es dank Corona zur Zeit ja überhaupt nicht (lassen einige Medien zumindest vermuten). Jedenfalls, worauf ich eigentlich hinaus wollte, eine Medien,- und dementsprechend auch coronafreie Zeit, kann ich nicht empfehlen. Man bekommt gar nichts mit und lechzt nach der Abstinenz (also jedenfalls ich) wie der letzte Junkie nach den neuesten Fakten, Statistiken und Zahlen. Nur über Corona natürlich. Weil Geflüchtete zum Beispiel, die müssen mit ihren Problemchen jetzt mal kurz warten, immerhin haben wir hier in Europa gerade unsere eigene Krise. Müssen die jetzt auch mal verstehen. Kann ja nicht immer nur um sie gehen. Auch der Frage warum am Führergeburtstag Demonstrationen in Dresden und Chemnitz genehmigt wurden, obwohl Demonstrationen, soweit mir bekannt, zur Zeit doch verboten sind, gehen wir irgendwann später mal nach. Jetzt hat Corona oberste Priorität. Wer jetzt nicht ausschließlich über Corona redet, gar den Sinn von bestimmten Maßnahmen zur langsameren Ausbreitung in Frage stellt, will das alle alten und überhaupt alle gefährdeten Menschen in Deutschland sterben. So jedenfalls liest sich das in einigen Artikeln und Kolumnen, die ich mir nach meiner Medienabstinenz zu Gemüte geführt habe.

Frage: Gibt es eigentlich eine deutsche Entsprechung für whataboutism? Wasistmitismus?

Tippp: In den Pausen zwischen der Coronahrungsaufnahme morgens, mittags und abends (Medienkonsum) mal gepflegt Home-Homing betreiben. Das ist der neue Trend!

Tippp 2: Sich alle im deutschsprachigen Raum bekannten regionalen Begriffe für Kerngehäuse tätowieren lassen

Tippp 3: Warten auf’n Bus in der Ard-Mediathek kucken. Spielt in Brandenburg und wird von Experten (also mir) mit dem Prädikat XGHÖLS@CK€UHRSV bewertet.

22. April 2020
Leben in den Zeiten des Corona (6)

Leben in den Zeiten des Corona (5)

Freunde des Klimawandels,
ich muss sagen, ich bin ziemlich verwirrt. Und nicht nur ich. Von vielen anderen Berliner Künstlern und anderen kleinteiligen Freischaffenden habe ich gehört, dass es Ihnen nicht anders geht als mir: Ein langjähriger, treuer, liebgewonnener Freund, er hat uns verlassen, wie es scheint. Ich nannte ihn Strichi, andere mögen ihn mit einem anderen Namen versehen haben, doch geht es nicht um Namen, es geht um Taten. Und Strichi, das kann ich euch sagen, Strichi tat was er tat, jeder Zeit ohne murren. Jedes Mal wenn ich und tausend andere systemirrelevante Kulturschaben unseren Kontostand abriefen, war er da. Die Zahlen änderten sich von Zeit zu Zeit, doch Strichi blieb, stand stets den Zahlen voran. Seit gestern jedoch, die Zahlen kommen mir bekannt vor, aber Strichi, wo ist Strichi? Ist Strichi etwa Opfer des Krokusnussvirus geworden? Hatte Strichi überhaupt eine Lunge? Hinterlässt er Mann und Kinder? Hat er sich in letzter Zeit im Ausland aufgehalten? Ist vielleicht nicht tot sondern nur im Heimbüro? Wie wenig ich doch über Strichi weiß. Sicherheitshalber verschütte ich einen Schluck Desinfektionsmittel (Trankopfer) auf dem Boden, auf dem meine Tochter ausrutscht und schrecklich weint. Als ich ihr verrate, dass es heute Spaghetti Coronara als Heimschulspeisung gibt, bessert sich ihre Laune. Meine Laune dagegen wird heute wohl nicht mehr besser, auch wenn mein Kontostand ausgeglichen ist. Strichi, er fehlt.

2. April 2020
Leben in den Zeiten des Corona (5)

Leben in den Zeiten des Corona (4)

Freunde der Isolation,
gestern wurde doch tatsächlich behauptet, dass das was ich hier zur Zeit ins Internet reinschreibe sehr darmlastig sei. Dabei liegt das doch in der Natur der Sache oder in der Anatomie des Menschen: Kurz vor dem Ende ist es immer darmlastig. Aber anderes Thema: Kriminalität. Und damit meine ich ausnahmsweise mal nicht das Hamstern von Klopapier. Ich meine die kriminelle Kriminalität, also die, die in Kriminalstatistiken erfasst wird (dazu gehört das Hamstern von Klopapier und diverser Lebensmittel aus mir nicht ganz nachvollziehbaren Gründen anscheinend nicht). Und diese Kriminalität verlagert sich zusehends ins World Weird Web. Cyberkriminalität. Hackerangriffe zum Beispiel auf Lieferando (da wollte ich mir letztens was bestellen) oder auf die Investitionsbank Berlin (da wollte ich mir was anderes bestellen). Die Gründe für diese Verlagerung sind vielfältig. Einerseits sind Kriminelle ja auch nur Verbrecher wie du und ich, viele von Ihnen machen zur Zeit Home Office. Andererseits haben es Kriminelle, zum Beispiel Einbrecher, im Moment besonders schwer: Viele Wohnungen und Einfamilienhäuser sind auch tagsüber nahezu ständig bewohnt (Home-Office, Home-Schooling, Home-Drinking, Home-Clubbing, Quarantäne), kaum jemand fährt zur Zeit in den Urlaub und selbst wenn der geneigte Einbrecher ein kurzzeitig unbesetztes Objekt zum Entleeren gefunden hat, kann er den Bruch wegen der Kontaktsperre ja nur mit maximal einem Kollegen durchziehen und sollte es sich dann um ein prall gefülltes Haus oder eine ebensolche Wohnung handeln, dann bekommt man in der kurzen Zeitspanne (kurzer Spaziergang oder Einkauf des oder der Haus oder Wohnung bewohnenden Home-Officers) zu zweit doch kaum die Bude ausgeräumt (und dann am besten noch mit 1,5 Meter Abstand eine schwere Mingh-Vase oder eine Truhe voller Fabergé-Eier durchs Treppenhaus oder die Freitreppe hinunter bugsieren). Und seien wir mal ehrlich: Die Unzufriedenheit ob eines unvollendeten Jobs, die setzt sich doch im Hirn fest wie Hämorrhoiden am After. Dann doch lieber aus dem Home-Office in ein paar Internetseiten einbrechen und darauf hoffen, dass der Webseitenbetreiber ein paar Bitcoin in seinem digitalen Safe (heißt das dann Websafe oder Cloudsafe?) gebunkert hat. (Hey, ich bin neu im Internet, so stelle ich mir das eben vor!) Und bevor ich hier gleich im Home-Office das Licht ausknipse, was haltet ihr davon, wenn wir in Zukunft statt Home-Office Heimbüro, statt Home-Schooling Heimbeschulung und statt Quarantäne Carsharing sagen?

31. März 2020
Leben in den Zeiten des Corona (4)

Leben in den Zeiten des Corona (3)

Freunde der gepflegten Verschwörungstheorie,
falls ihr euch fragt: Ja, ich bin noch immer im Besitz von genügend Toilettenpapier für die nächsten Jahre Wochen. Ich hoffe, ihr sitzt auch nicht auf dem Trockenen bzw. Feuchten (kein fester Stuhlgang + kein Klopapier). Anderes Thema, also eines von welchem man in diesen Tagen kaum hört: Corona. Ich bin da nämlich einer Sache auf der Spur. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Musiker Musikproduzent Mark ’Oh hinter oder zumindest in der ganzen Corona-Nummer mit drin steckt. Mark ’Oh, bürgerlich Marco Rona Marko Albrecht wurde in einem Ort namens Dorsten (vgl. Dorsten u. Drosten) geboren. Schon im Jahre 1995 veröffentlichte Mark ’Oh die Single „Droste hörst du mich“ (vgl. Droste u. Drosten). Zu dieser Zeit studierte Christian Drosten, bekannt aus dem Erfolgspodcast „Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten“ in Frankfurt am Main. Wie Drosten selbst in einem Interview zugab, gibt es Coronaviren nicht erst seit gestern (vielleicht ja schon seit 1995!?). Am 8. Juli 1995 trat Mark ’Oh bei der Loveparade in Berlin auf (und spielte unter anderem „Droste(n) hörst du mich“), während Christian Drosten in einem geheimen Labor in der Nähe von Frankfurt tüftelte (so jedenfalls berichtete es eine Kommilitonin Drostens namens Meike Linde) und die beiden waren für einen kurzen Moment exakt 666 km voneinander entfernt. Weiter weiß ich jetzt auch erstmal nicht, aber ich denke, dass reicht für den Anfang um ein wenig zu zweifeln, vielleicht sogar kultiviert auszuflippen.
Ein guter Song zum Ausflippen ist übrigens „Droste hörst du mich“ von einem gewissen Mark ’Oh.
Und falls euch gerade weder nach zweifeln noch nach ausflippen ist: Unbedingt mal Online-Armdrücken auschecken! Kann ich wärmstens empfehlen!

30. März 2020
Leben in den Zeiten des Corona (3)

Leben in den Zeiten des Corona (2)

Freunde des gepflegten Stuhlgangs,
letztens habe ich, also quasi, im Lotto gewonnen. (Wollte damit eigentlich nicht so rumprahlen, wegen Angst vor Überfälle und auch weil Prahlerei nicht fetzt, aber was soll’s, jetzt muss es doch mal raus (so wie Stuhlgang) und ich hab ja sonst nichts. Also bis auf dis was jetzt kommt:) Ich habe nämlich, schon im siebenten Geschäft in Prenzlauer Berg welches ich aufsuchte, Toilettenpapier käuflich erwerben können. Eines der letzten vier dort vorrätigen Pakete kann ich nun bis auf Weiteres mein Eigen nennen. Ich muss sagen, ich fühle mich auch heute noch so wunderbar beschwingt. Weil Klopapier wird ja heutzutage in Gold aufgewogen (Klar ist eh nicht so schwer, also unbenutzt, hihi, aber immerhin. Schließlich hat sich der Umsatz der Produzenten von Toilettenpapier in den letzten Wochen um 700% erhöht). Für diejenigen von euch, die nicht ein solches Glück mit dem Erwerb von Toilettenpapier hatten und die mit Kohlrabiblättern als Ersatzprodukt nicht so recht zufrieden sind, möchte ich noch weitere Alternativen zum herkömmlichen Toilettenpapier vorstellen: Küchenrolle (sofern im örtlichen Geschäft vorrätig), Taschentücher (sofern im örtlichen Geschäft vorrätig), Windeln (sofern in eurer Größe im örtlichen Geschäft vorrätig) und jetzt kommt der Hit für Umweltbewusste: Toilettenpapier kann man auch wunderbar trocknen (mehrfach!) und wiederverwenden (Anfänger machen 2, Fortgeschrittene bis zu 10 Wiederholungen pro Blatt). Und Lars but not least: Auch Schal oder Halstuch können als Ersatzprodukt verwendet werden. Sowohl der oder das Eigene, als auch Schal oder Halstuch von Freunden, Familienangehörigen oder gar gänzlich Fremden (beim Abwickeln des Schals oder Halstuches von der Kehle des Gegenübers aber bitte auf die Einhaltung des Mindesabstandes achten!) können mehrfach benutzt (Schals haben ja eine größere Oberfläche als zwei drei Blatt Klopapier) und sogar gewaschen werden. Falls euch noch weitere Toilettenpapierersatzprodukte einfallen, so schreibet mir! So long, Meikel.

29. März 2020
Leben in den Zeiten des Corona (2)