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Leben in den Zeiten des Corona (1)

Fast zwei Wochen habe ich abgeschnitten von der Außenwelt, ohne Telefon und Internet, im Keller verbracht, und zwar nicht wegen des Krokusnussvirus (Haben meine Tochter und ich uns drauf geeinigt, dis so zu nennen, weil Krokusnussvirus, dis macht einem nich so ne Angst wie Corona), nee weil ich versuche mit dem Rauchen aufzuhören und sicherheitshalber trinke ich auch keinen Alkohol und keinen Kaffee und da wollte ich nicht so viel in Gesellschaft, weil dis dann schwerer ist, wegen der anderen Raucher und Säufer und Kaffeetrinker, die mich ja verleiten wollen und ich lasse mich ja auch so gern verleiten, jedenfalls was muss ich jetzt feststellen? Die Kneipen sind dicht, Konzerte und Parties verboten, da hätte ich ja gar nicht so lange Kinderkaffee trinkend und Möhrchen knabbernd im Keller hocken müssen, jetzt wo nahezu alle Grenzen dicht sind, weil klar was hält so einen Virus auf jeden Fall auf, wenn nicht, die Grenzen dicht zu machen? Veranstaltungen und Versammlungen verbieten, Mindestabstand, Quarantäne kann man machen, aber Grenzen dicht, muss man machen. Jedenfalls bin ich gestern aus dem Keller gekrochen weil, ja weil nämlich, also ich hatte mir da unten so ein behelfsmäßiges Plumpsklo mit einem Presslufthammer schön in den Kellerboden, und das hat eigentlich auch ganz gut – aber gestern war dann das Toilettenpapier alle und da musste ich dann eben raus aus dem Keller und hoch in die Wohnung, doch auch dort gab es keins und so bin ich dann, allerdings auch ohne Erfolg, jedenfalls bezüglich des klassischen Toilettenpapiers, aber dafür habe ich einen wesentlich ressourcenschonenderen und kostengünstigeren Ersatz im Supermarkt gefunden. Und zwar Kohlrabiblätter. Man kann entweder Kohlrabi mit Blättern dran kaufen, den Kohlrabi essen und dann später die verdauten Reste des Kohlrabis mit den Blättern des Kohlrabis von seinem Hintern schaben, oder wenn man Kohlrabi jetzt nicht so gerne isst, einfach nur die Blätter abreißen (lassen einen die meisten Supermärkte kostenlos mitnehmen!) oder wenn man richtig Glück hat, haben andere Kunden schon die Blätter – und die dann in einen Eimer neben dem Kohlrabi oder in die Kiste mit dem Kohlrabi oder einfach auf den Boden, na jedenfalls Kohlrabiblätter kann ich nur empfehlen zum Arsch abwischen. Müsste ich allerdings gar nicht, wenn nicht haufenweise asoziale Arschlöcher, die von einigen Psychologen, wie ich las und hörte, ja auch total Verstanden werden mit ihrer aus Hilflosigkeit entstandenen Übersprungshandlung (Hamstern: die Grenzschließung des kleinen Mannes), anscheinend so dermaßen viel Klopapier gehortet haben, dass sie bis an ihr Lebensende mit Durchfall auf dem Lokus hängen könnten und das von Ihnen erworbene Klopapier wäre noch immer nicht aufgebraucht. Ich finde ja, was uns in diesen Zeiten, abgesehen vom Mindestabstand, unheimlich weiterhelfen würde, wäre ein Mindestanstand. Aber mich fragt ja keiner.

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22. März 2020
Leben in den Zeiten des Corona (1)