KURZGESCHICHTEN, KRITZELEIEN & KARTOONS

Kantinenlesen

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Kantinenlesen – Das Gipfeltreffen der Berliner Lesebühnen diesmal mit mit Dan Richter, Paul Bokowski, Thilo Bock, Frank Sorge und mir

18. Juni 2022

Later is now

Nicht das es an kritischen Stimmen gemangelt hätte, bei Telegram und Whatsapp zum Beispiel, aber Nee, ick musste da ja unbedingt mitmachen, bei dieser von der Regierung inszenierten Aktion, die uns in Wahrheit alle zu willfährigen Sklaven machen soll und dass, wenn wir da mitspielen, dann legitimieren wir die ganze Schmierenkomödie ja auch und geben nicht unseren Senf sondern unseren Segen dazu. Und ick alter Schwachmat natürlich ganz vorne mit dabei. 
Und jetzt mussick eben mit den Konsequenzen leben: Seit über einer Woche Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Halsschmerzen, Nasenschmerzen – also vor allem Nasenflügelschmerzen, Ohrenschmerzen, Augenschmerzen, Wimpernschmerzen, Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Gliederschmerzen, Großhirnschmerzen, Kleinhirnschmerzen, Hypothalamusschmerzen, Luftröhrenschmerzen, Stimmbandschmerzen, Venenschmerzen, Artherienschmerzen, Hodenschmerzen, Zahnschmerzen – konkret Schneidezahnschmerzen, Schmerzen beim Gehen, Schmerzen beim Stehen, Schmerzen beim Liegen, Sitzen und Hocken, Schmerzen beim Wasserlassen und Schmerzen beim Wassertrinken, Ellenbogenschmerzen und Ohrläppchenschmerzen und dann noch hier und da so ein paar Kleinigkeiten. Aber das ist wirklich nicht der Rede wert. 
Das zuvor Genannte aber: Unangenehm, wirklich äußerst unangenehm.
Und das Problem ist ja auch, dass ich nun nicht weiß, handelt es sich dabei um Wahlschäden, Wahlkomplikationen oder doch nur um harmlose Wahlreaktionen. Die Wahlgegner bei Telegram und Konsorten sagen natürlich ganz klar: Das sind Wahlnebenwirkungen, Wahlbefürworter tippen sicher auf ungefährliche Wahlreaktion, Wahlagnostiker vielleicht auf Wahlkomplikation und der gemeine Wahlatheist beantwortet die Frage einfach gar nicht.
Hilft mir alles nicht weiter. Ick stehe schön da mit all dem Schmerz und dem Unverständnis, doch zum Glück bin ich damit nicht allein. Geht vielen so, habe ich jedenfalls gehört.
Wären die Wahlen wie ein Kompromiss, könnte man sagen, wenn alle unglücklich sind, dann müssen es gute Wahlen gewesen sein. Aber es sind ja nicht alle unglücklich.
Patrick Lindner, der schmierige Erbsenkopp von der FDP zum Beispiel, der macht einen recht zufriedenen Eindruck. 
Oder in Berlin, die Giffey. Früher hieß die Franziska ja gar nicht Giffey, aber so wie sie bei ihrer Doktor- und Masterarbeit abgeschrieben hat, so ist sie auch bei der Hochzeit verfahren und hat kurzerhand den Nachnamen ihres Gatten kopiert. Copy, Paste, Giffey.
Franziska Giffey, auch bekannt als Dolores Umbridge ist für mich schon die Schlimmste, aber auch ihre Konkurrentin von der Bio-CDU ist nicht nach meinem Geschmack. Die macht so einen fanatischen Eindruck. Was sie alles aus Berlin machen will. Da bricht bei mir dann doch wieder der überwunden geglaubte Lokalpatriotismus durch und ich denke, warum kommst du nach Berlin und willst mir hier Sachen vorschreiben, mach dis doch alles in Augsburg, da wo du herkommst. Und auch die Giffey, behauptete in einem Wahlwerbespot sie sei Berlinerin, dabei wurde sie in Frankfurt Oder geboren und ist bei Fürstenwalde aufgewachsen, was ja nicht per se schlecht ist, für mich heißt das eben nur: Sie ist keine Berlinerin. Ganz wertfrei.
Mein Vater zum Beispiel, der lebt zwar schon ewig in Berlin, wurde aber nicht hier geboren, ist für mich kein Berliner. Er hat, wie viele andere auch, die Vorzüge der Großstadt zu schätzen gewusst, hat sich hier eingelebt und nicht versucht die Menschen hier zu ändern oder gar zu erziehen.
Von mir aus soll sich doch auch jeder ausleben können, nach Lust und Laune, nur eben mit Rücksicht auf Andere. Mit Rücksicht auf mich zum Beispiel. Denn Alter, ick wohne hier. Und vor allem ich wohne schon echt lange hier. Und damit will ich nicht angeben, mir geht es auch gar nicht darum, dass ich glaube, dass ich besser bin als sonst irgendjemand, weil ick in Berlin geboren wurde, nee, es geht darum, wenn‘s für die nicht in Berlin geborenen in Berlin nicht so läuft, es Ihnen zu eng und zu laut wird, die Miete zu hoch, die Karriere stagniert und so weiter, dann gehen sie wieder zurück nach Wasweißichwo, wo sie noch Familie und Freunde und Kontakte von damals haben, aber ick wohin gehe ick zurück?
Das der Maaßen nicht in den Bundestag kommt, kann mich irgendwie auch nicht besänftigen.
Und das der Laschet nicht Kanzlerin wird, das hatte ich mir zwar auch gewünscht, aber erstens ist das ja noch nicht sicher und zweitens, hatte ich schon gehofft, dass der Schnarchonkel nicht Kanzlerin wird, aber das heißt im Umkehrschluss ja nicht, dass ich mir gewünscht habe, dass Scholz Kanzlerin wird.
Überhaupt bin ich sehr unzufrieden. Und dann noch die Schmerzen.
Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Halsschmerzen, Nasenschmerzen – also vor allem Nasenhöhlenschmerzen, Ohrenschmerzen, Augenbrauenschmerzen, Mundwinkelschmerzen, Brustschmerzen, Schulterschmerzen, Wadenschmerzen, Großhirnschmerzen, Kleinhirnschmerzen, Hypothalamusschmerzen, Speiseröhrenschmerzen, Stimmbandschmerzen, Venenschmerzen, Artherienschmerzen, Hodenschmerzen, Zahnschmerzen – konkret Backenzahnschmerzen, Schmerzen beim Rennen, Schmerzen beim Pennen, Schmerzen beim Liegen, Sitzen und Hocken, Schmerzen beim Wasserlassen und Schmerzen beim Wassertrinken, Knieschmerzen und Bauchnabelschmerzen und dann noch hier und da so ein paar Kleinigkeiten. Aber das ist wirklich nicht der Rede wert.
Was der Rede wert ist, das sind die Wahlergebnisse. Könnte und sollte man mal drüber reden.
Ick hab aber keinen Bock mehr. Mit euch bringt das ja auch nix. Jedes Mal wählt ihr son Scheiß zusammen. Jedes Mal. Hätte ich alleine gewählt, wäre das Ergebnis wesentlich eindeutiger.
Dolores Umbridge würde nicht den Copy und Paste Ton in der Hauptstadt angeben und die Bio-CDU und die FDP würden nicht die Macht haben, darüber zu bestimmen, wer die nächste Kanzlerin wird. 
Aber bei der nächsten Wahl, da machen wir dann alles besser. Nee, lasst ma Leute, ditt habick einfach schon viel zu oft gehört.
Ick hätte da einen sehr viel besseren Vorschlag: Wie wäre es denn, wenn ihr alle bei der nächsten Wahl schön zu Hause bleibt, es euch gemütlich macht, mit euren Liebsten oder eurer Familie, und ick gehe alleine wählen. Denkt mal drüber nach!

4. Oktober 2021
Later is now

Leben in den Zeiten des Corona (15)

Freunde der Existenzangst,
am vergangenen Wochenende war ich auf einem Festival im dünnst (gibt es dieses Wort überhaupt?) besiedelten Bundesland Deutschlands. Es gab gutes Wetter, Musik, Lichtinstallationen (Englisch: Wishyouills), ich habe was gelesen, war baden im nur wenige hundert Meter vom Festivalgelände entfernten See und überhaupt war das ein sehr schönes Festival (Danke ans 3000°-Team für überhaupt, Franziska Hauser für die Begleitung und Katharina Lifson für die Einladung), trotz oder vielleicht auch gerade wegen des fehlenden Publikums. Weil bis auf die Macher des Festivals und die Künstlerköppe verschiedener Sparten war da keiner. Alles nur für’s Netz. Nun bin ich aber wieder zurück in Berlin, dem Moloch, und nach dem Lesen eines Zeitungsartikels über die Bürgermeisterin von Chicago wurde mir mal wieder klar, was hier alles falsch läuft. Der Bürgermeister von Berlin heißt Mathias Meier, nee Quatsch, Michael Müller. Der Max Mustermann der Politik. Null Ausstrahlung, null Glamour, null, ach einfach insgesamt null. Wäre Michael Müller ein Geheimagent trüge er die Kennziffer 000. Die Bürgermeisterin von Chicago dagegen, wisst ihr wie die heißt? Lori Lightfoot. Ja, Lori Lightfoot. Der Name macht was her, damit kann man arbeiten. Das Michael Müller keine homosexuelle schwarze Frau ist, dafür kann nicht mal er etwas. Dass er so blass ist und bleibt, dagegen schon. Blass natürlich nicht die Hautfarbe, sondern seine gesamte Erscheinung. Aber genug von Michael Müller (Der könnte sich ja mal M&M oder Eminem nennen und dann wahlweise einen Rechtsstreit oder eine Blutfehde mit dem Süßigkeitenhersteller oder dem Rapper anfangen, macht der Langweiler aber nicht), kommen wir zu einem weiteren Langweiler: Mir. Ich werde in Zukunft nicht wöchentlich, sondern unregelmäßig bei der wöchentlich stattfindenden traditionsreichen Berliner Lesebühne LSD – Liebe statt Drogen auftreten. Als Mitglied welches nicht jede Woche da ist. Die langweilige Begründung, warum ich nicht jede Woche da bin erspare ich euch mal, aber unter Termine könnt ihr sehen, wann ich da bin. Soweit, so long.

18. August 2020
Leben in den Zeiten des Corona (15)

Leben in den Zeiten des Corona (14)

Freunde des Selbstbräuners,
kürzlich entdeckte ich beim Einkaufsversuch im Internet ein Modelabel Namens Felix Hardy. Na wenn das mal nicht was mit Ed Hardy zu tun hat, dachte ich mir so, vielleicht ist Felix Hardy gar der Sohn von Ed Hardy. Ed Hardy, ihr erinnert euch, das waren diese arschteuren Klamotten, über die es so Witze gab wie: „Ey hat dir einer / ein Einhorn / ein Chamäleon auf’s T-Shirt gekotzt / Regenbogen ausgekackt o. ä.? Nee, Alter, ditt Schört is von Ed Hardy.“ Mit Felix Hardy aber hatte ich falsch gelegen. Der Gründer des Modelabels Felix Hardy kommt aus Spanien und heißt vermutlich gar nicht Felix Hardy sondern Feliz Fuerte. Allerdings erfuhr ich bei meinen knallharten Recherchen, dass hinter dem Label Ed Hardy nicht nur der bereits verstorbene Unternehmer Christian Audigier (Audi Gier!) steckte, sondern auch noch der namensgebende Tätowierer Don Ed Hardy. Und Don Ed Hardy wuchs auf in, haltet euch fest, Corona del Mar in Südkalifornien. Corona del Mar. Und als ob das nicht genug wäre, pflegt dieser Tätowierer auch noch gute Kontakte nach Japan. Und Japan liegt, wie wir ja alle wissen, nicht weit weg von China. Und in China, genauer gesagt in Wuhan, wurde ja das Coronavirus – und wenn man jetzt wissen möchte wie weit Japan von Wuhan entfernt ist, ob das nicht vielleicht exakt 666 Kilometer sind, dann steht man aber schön blöd da, weil wenn man bei Google Maps die Route von Japan zum Feinkost-Nassmarkt in Wuhan, ja so heißt der auf deutsch, erfahren möchte, dann wird einem dort mitgeteilt: Die Route von „Wuhan South China Seafood Wholesale Market, Jianghan Qu, Wuhan Shi, Hubei Sheng, China“ nach „Japan“ konnte nicht berechnet werden. Da heißt der Markt dann auf einmal South China Seafood Wholesale Market. Und das ist ja Englisch. Und wer spricht Englisch? Bill Gates. Und Bill Gates, dem gehört ja auch Google, oder nee, Bill Gates gehört das Internet oder wenigstens das halbe Internet. Und natürlich die Bill und Melinda Gates Stiftung, die gehört auch Bill Gates. Und seiner Frau. Und wenn man von „Bill und Melinda Gates“, wenn man davon mal die Buchstaben zählt, dann kommt man auf 19. Und wie heißt die vom neuen Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit? COVID 19. Das ist alles schon da. All diese Informationen. Man muss nur suchen. Suchen, wenn man mal von dem Wort suchen die Buchstaben zählt, sagen wir dreimal hintereinander, und dann die jeweils gezählten Buchstaben hintereinander schrübe, dann stünde dort 666. Wie gesagt, man muss nur suchen. Manchmal kommt man bei der Suche vom Weg ab, dann geht man eben einen anderen Weg. Das Internet hat viele Wege. Manchmal auch Sackgassen oder Spielstraßen, aber hauptsächlich Wege. Nur gehen muss man die denn auch mal. So wie ich kürzlich.
Ich suchte im Internet nach Klamotten obwohl ich eigentlich Klamotten hatte, nur mit denen war mir ein kleines Malheur passiert. Ich hatte mir zu Beginn der aktuellen Bräunungssaison eine neue Sonnencreme gekauft und auch fleißig benutzt. Auch an Tagen an denen ich alter Modefachmann weiße Feinrippunterhemden trug. Und diese Unterhemden, die hatten plötzlich so gelbe Träger und auch unter den Armen, das sah echt nicht schön aus, also habe ich die ehemals weißen Kleidungsstücke in eine Schüssel mit Wasser und dann schön immer, gib ihm, Chlor-Bleiche dazu und Simsalabim strahlten mich die soeben noch gelb gefleckten Klamotten in einem herrlichen Magenta an. Als Laie vermutete ich spontan irgendeine chemische Reaktion dahinter, wollte aber sicherheitshalber auch noch das Internet konsultieren. Und so bin ich dann erst bei Batik und dann irgendwie bei Ed Hardy gelandet. Aber wie ich diese Flecken wegbekomme weiß ich noch immer nicht. Dafür weiß ich, dass die Bill of Rights wahrscheinlich nach Bill Gates benannt wurde. Und das wenn man jemand Kleinwüchsiges besonders attraktiv findet, dass es sich dann um einen Zwilf handelt. Und wenn von einem Bilf die Rede ist, kann natürlich nur Bill Gates gemeint sein. Und dann habe ich noch herausgefunden, dass Bill Gates im Gegensatz zu seiner Frau Melinda, nie ein Kleidungsstück der Marke Ed Hardy besaß, dass er dafür aber seinen erstgeborenen Sohn an einen Zwilf namens Batik verlor und das das Märchen Rumpelstilzchen Teil der Antisemitismusforschung ist. Nur wegen der Flecken, da weiß ich noch immer nicht, aber da kann ich ja bei Gelegenheit mal im Internet recherchieren.

Tipp vom Modefachmann: Heute 20 Uhr, Reformbühne in der Baiz, mit Doc Schoko, Masha Potempa, Sahara B und mir

19. Juli 2020
Leben in den Zeiten des Corona (14)